Elizabeth George lädt ein zum Wiedersehen mit alten Bekannten: „Was im Verborgenen ruht“ erzählt mit langem Atem von einem Kriminalfall in London   

Foto: Bücheratlas

Die Vorfreude war groß. Endlich eine neue Elizabeth George. Vier Jahre sind vergangen seit dem Erscheinen ihres letzten Kriminalromans („Wer Strafe verdient“) – ungewöhnlich genug für eine Vielschreiberin, die in der Regel alle zwei Jahre ein neues Werk vorlegt. Nun also ist „Was im Verborgenen ruht“ in deutscher Übersetzung erschienen: blauweißes Cover, knapp 800 Seiten, gedruckt auf dickem Papier. Es ist bereits Band 22 einer Erfolgsreihe, die 1988 mit „A Great Deliverance“ („Gott schütze dieses Haus“, 1989) ihren Anfang nahm und sich seitdem weltweit millionenfach verkauft hat.

Fragile Beziehung, schlechte Kleidung

Superintendent Thomas Linley ist über den Tod seiner Frau hinweggekommen. Er hat sich wieder verliebt und ist gerade dabei, seine noch fragile Beziehung gegen die Wand zu fahren. Detective Sergeant Barbara Havers ist so schlecht gekleidet wie eh und je. Von ihren interessanten Essgewohnheiten wollen wir hier gar nicht erst reden. Alles beim Alten also, und so kommt man sich vor, als träfe man Freunde wieder, die man lange nicht gesehen hat.

Elizabeth George taucht in ihrem neuen Roman tief ein in die schwarze Community von London. Dort haben die Männer das Sagen, die Söhne werden ungefragt mit nigerianischen Jungfrauen verkuppelt, und kleinen Mädchen droht die Beschneidung, damit sie eines Tages unbefleckt und rein in die Ehe gehen. Die amerikanische Autorin hat sich ein brisantes Thema ausgesucht, das sie geschickt in die Geschichte einer nigerianisch-stämmigen Familie einbettet.

Mord und Beschneidung

Die achtjährige Simi soll nach dem Willen ihrer Eltern beschnitten werden, doch ihr Bruder Tani versucht, den barbarischen Eingriff mit allen Mitteln zu verhindern. Als eine schwarze Polizistin ermordet aufgefunden wird, die undercover gegen eine mögliche Beschneiderin ermittelt hat, gerät auch die Familie Bakole ins Visier von Lynley und seinem Team.

Elizabeth George lässt sich viel Zeit bei der Entwicklung ihrer Geschichte. Das muss nicht schlecht sein, erfordert aber eine Menge Geduld. Es gibt zahlreiche Nebenschauplätze, die die Leserinnen und Leser in die Irre führen; die Charaktere, mögen sie auch eine noch so kleine Rolle im Geschehen spielen, sind fein ausgearbeitet. Dennoch – oder gerade deswegen – möchte man als ungeduldiger Mensch diesem 22. Band stellenweise etwas mehr Tempo, etwas mehr Gradlinigkeit wünschen.

Wie auch immer – „Was im Verborgenen ruht“ ist auf jeden Fall eine prima Ferienlektüre für alle, die viel Zeit und Muße haben. Und endlich ihre alten Freunde Thomas Lynley und Barbara Havers wiedertreffen wollen.  

Petra Pluwatsch

Auf diesem Blog

findet sich eine Besprechung von Elizabeth Georges Kriminalroman „Wer Strafe verdient“ – und zwar HIER.

Elizabeth George: „Was im Verborgenen ruht“, dt. von Charlotte Breuer, Goldmann, 798 Seiten, 26 Euro.  E-Book: 25,99 Euro.

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