Dämonen der Vergangenheit: Anne Mette Hancock schickt in „Grabesstern“ die Journalistin Heloise auf Mörderjagd

In Heloise Kaldans drittem Fall wird die Vergangenheit in die Gegenwart gespült wie der Meeresschaum an den Strand. Lauert da irgendetwas im Verborgenen? Foto: Bücheratlas

Ein Artikel über Sterbebegleitung – mehr hat die Kopenhagener Journalistin Heloise Kaldan nicht im Sinn, als sie sich auf den todkranken Jan Fischhof einlässt. Der knurrige Alte hat Lungenkrebs, viel Zeit bleibt ihm nicht. Seine Ehefrau ist schon lange tot, eine Tochter lebt im Ausland, und Heloise wird, allen Forderungen nach professioneller Distanz zum Trotz, zur einzigen Vertrauten des Sterbenden.

„Auge um Auge, Zahn um Zahn“

Doch wer ist Jan Fischhof wirklich? Und was meint er, wenn er von „biblischer Vergeltung“ redet, von Blut an seinen Händen und an seiner Kleidung? Er werde in die Hölle kommen, raunt der Alte. „Auge um Auge. Zahn um Zahn. Der Schaden, den man anderen zufügt, wird einem selber zugefügt werden.“ Heloises Neugier ist geweckt, und die junge Journalistin beginnt, die Vergangenheit ihres Schützlings zu durchleuchten. Aus dem Artikel über Sterbebegleitung, soviel sei verraten, wird nichts. Heloise Kaldan geht auf Mörderjagd.

„Grabesstern“ von Anne Mette Hancock ist bereits der dritte Band um die Investigativ-Journalistin, die schwer an einer intransparenten Vergangenheit trägt. Der geliebte Vater hat sich als Kinderschänder entpuppt (Band 1, „Leichenblume“), und die junge Frau kämpft mit den Dämonen einer von Lügen überschatteten Kindheit und Jugend.

Nachforschungen sind nicht willkommen

Ihre Recherche führt Heloise Kaldan in Fischhofs alte Heimat Jütland. Dort sind in den 1990er Jahren mehrere junge Frauen verschwunden, ein Todesfall wurde verdächtig früh zu den Akten gelegt. Doch nicht jedem gefallen die Nachforschungen der Journalistin, und mehr als einmal klopft sie an die falsche Tür.  

In ihrer dänischen Heimat gilt Anne Mette Hancock als Shooting-Star der Krimiszene, und auch in Deutschland steht der Name der Journalistin und Schriftstellerin für spannende Krimikost. Band drei der Erfolgsreihe macht da keine Ausnahme. Der Plot ist schlüssig, er ist gut erzählt – und er wartet am Ende mit einem wahren Knaller auf.

Petra Pluwatsch

Auf diesem Blog

findet sich eine Besprechung von „Leichenblume“, dem ersten Band der Reihe, genau HIER.

Anne Mette Hancock: „Grabesstern“, dt. von Karoline Hippe, Scherz, 380 Seiten, 15 Euro. E-Book: 12,99 Euro.

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