Auch ohne Tanz nahezu eine Broadway-Show: Martina Hefter und Dinçer Güçyeter gastieren im Literaturhaus Köln

Getanzt haben sie dann doch nicht. Zwar hatten Martina Hefter und Dinçer Güçyeter vorab angekündigt, mit einem solchen Tanz ihren Auftritt im Literaturhaus Köln krönen zu wollen. Doch das sei ja nur für die Werbung wichtig gewesen, sagte Dinçer Güçyeter. Außerdem sei „das Honorar viel zu wenig“. Und weiter sei geplant, in Leipzig eine gemeinsame Choreografie zu erarbeiten und damit dann Hollywood oder vielleicht doch lieber den Broadway zu stürmen. Aber sieht man einmal von diesem Rückzieher ab, bot der Abend doch jede Menge Gemeinsamkeit, wie es eben auch ein Tanz erfordert – künstlerisch und persönlich.

„Dann bist Du wieder dran“

Da haben sich nämlich zwei getroffen, die einander schätzen und einander leuchten lassen. Da herrschte Höflichkeit hoch drei. Gerade auch bei den Lesungen: „Dann bist Du wieder dran!“, sagte sie, „Lass DirZeit!“, sagte er. Rezitiert wurde aus den aktuellen Bänden: die Lyrikerin (und Performerin) Martina Hefter mit „In die Wälder gehen, Holz für ein Bett klauen“ aus dem Berliner Kookbooks-Verlag und der Lyriker (und Verleger) Dinçer Güçyeter mit „Mein Prinz, ich bin das Ghetto“ aus seinem Nettetaler Elif-Verlag.

Neugier sei es, da waren sich die beiden einig, die sie zur Kunst treibe. Vor allem Neugier auf Menschen, wie Hefter sagte. Das stelle sie einerseits bei sich selbst fest. Das lese sie aber andererseits auch aus den Texten des Kollegen: So viele konkrete Menschen im Gedicht – das kenne sie in diesem Maße gar nicht. Güçyeter führte noch einen weiteren Schreibgrund an: „Man möchte irgendetwas produzieren, sonst würde man ja verrückt auf dieser Welt.“

Schön auch Dinçer Güçyeters Hinweis auf die Anfänge seiner Dichtung. Da habe er Pop-Songs, die er in der Kneipe seines Vaters gehört habe, auf Bierdeckel geschrieben. Irgendwann habe er dann den Eindruck gewonnen, dass es seine Texte seien. Später habe er angefangen, eigene Verse zu verfassen. Und heute?

„Die Suche geht weiter“

Schön auch Dinçer Güçyeters Hinweis auf die Anfänge seiner Dichtung. Da habe er Pop-Songs, die er in der Kneipe seines Vaters gehört habe, auf Bierdeckel geschrieben. Irgendwann habe er dann den Eindruck gewonnen, dass es seine Texte seien. Später habe er angefangen, eigene Verse zu verfassen. Und heute? „Ich bin mir immer noch nicht sicher, ob ich meine Stimme gefunden habe. Die Suche geht weiter.“

Wie unter guten Freunden ging es zu, interessiert und intensiv. Nicht nur beider Lyrik – nahbar, zuweilen mit stark erzählerischem Touch – stand zur Debatte.  Auch aus dem Privatleben wurde geplaudert. Jetzt wissen wir, dass Hefter ein Fan von Fantasy und Science-Fiction ist. Außerdem hegt sie eine Neigung zu Falken und möchte gerne einmal einen Falknerkurs wahrnehmen. Und Güçyeter erzählte, dass er es neben seinen vielen künstlerischen Aktivitäten schätze, als Gabelstapler zu arbeiten. Da treffe er LKW-Fahrer, die überhaupt „die besten Poeten“ seien.

Kein Zweifel besteht, dass dieses Duo im Literaturhaus Köln noch eine Weile hätte weitermachen können. Auch hätte weitermachen wollen. Aber das war’s dann erst einmal, wie Martina Hefter sagte, „die Güçyeter-Hefter-Show“. Beim nächsten Mal dann sicher auch mit einem Tänzchen.

Martin Oehlen

Dinçer Güçyeter: „Mein Prinz, ich bin das Ghetto“, ELIF VERLAG, 98 Seiten, 20 Euro.

Martin Hefter. „In die Wälder gehen, Holz für ein Bett klauen“, Kookbooks, 96 Seiten, 19,90 Euro.

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