„Sehr, sehr schön und extrem talentiert“: Kunsthochschule für Medien Köln mit der vierten Anthologie zum Literarischen Schreiben

Stillleben mit Fahrrad, Motorhaube und Eingangstür zur KHM in Köln Foto: Bücheratlas

Ganz gewiss ist das ungerecht. Aber ein besonderes Vergnügen in „Kurze 04“ sind die minimalistischen Biografien respektive Autobiografien der Autorinnen und Autorinnen, die diese vierte Anthologie des Literarischen Schreibens an der Kunsthochschule für Medien in Köln beschließen. Da wird nämlich nicht selten abgewichen vom Datenverlauf, sondern auch schon mal – so im Falle von Tobias Schulenburg – die von Spotify ausgespuckte ganz private Top-Songs-Liste als besonders charakteristisch mitgeteilt. Sandra Riedmair gibt lediglich preis: „geb. 1988, arbeitet. Und manchmal beschreibt sie, wie es wäre, damit aufzuhören.“ Es geht aber noch knapper bzw. – um beim Reihentitel zu bleiben – noch kürzer: „Ella Kühn ist ziemlich schlau, sehr, sehr schön und extrem talentiert.“

Ella Kühn ist in der schmalen Anthologie mit einem Vier-Bilder-Comic vertreten, der am Talent der Studentin durchaus keinen Zweifel lässt. Es sind allemal literarische Stichproben, die hier angeboten werden. Die Romanauszüge, Gedichte, Shortstorys, Minidramen oder Text-Bild-Kombinationen füllen oft nur zwei bis vier Seiten. Das ist zu wenig, um einen seriösen Eindruck zu vermitteln, aber genug, um einige reizvolle Signale auszusenden.

Dass darunter auch aktuelle Zeitzeichen sind, versteht sich von selbst. So wie bei T. I. Maria Gintrowski, die in „Peter, Peter, Peter“ eine Sehnsucht in Zeiten der Pandemie in Szene setzt: „Du meinst anfassen? Warum nicht. Wir uns? Warum nicht? Gegenseitig? Ja. Wo denn? Na, hier. Mitten im Supermarkt?  Ja. Womit denn? Vielleicht mit der Hand? Du meinst die Hand geben? Ja, zum Beispiel. – Warm. Ja. Schön. Ja, total. Hallo. Hallo.

Die Anthologie entstand im Rahmen eines Seminars von Ulrich Peltzer an der  Kunsthochschule Köln. Hätte der Autor, von dem in diesem Jahr der Roman „Das bist du“ (S. Fischer) erschienen ist, dieser Veröffentlichung eine Einordnung oder Anmerkung oder Seminar-Erinnerung angefügt, wäre dies ein zusätzlicher Kick gewesen. Aber auch ohne Kommentar ist diese kleine Sammlung ein Spezialfall für ausgefuchste Literatur-Maniacs.

Martin Oehlen

Auf diesem Blog finden sich einige Veröffentlichungen zur KHM, die über die Suchmaske auffindbar sind. Zuletzt erschien ein Beitrag über den band „poetry/film“ – und zwar HIER.

„Kurze 04“, hrsg. von Susanne D. Engling, Josephine Güntner u.a., Anthologie des Literarischen Schreibens der Kunsthochschule für Medien Köln, zu beziehen über verlag@khm.de .

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