Aussteiger, Rechtsradikale und ein Mordopfer im Wald: Ada Finks „Blütengrab“ bietet gute Krimikost

Foto: Bücheratlas

Die Mauer ist vier Jahre zuvor gefallen, doch viel geändert hat sich nicht im fiktiven Örtchen Wussnitz irgendwo in der ostdeutschen Provinz. Kleiner ist die Gemeinde geworden. Fast zwei Drittel der Einwohner haben „rübergemacht“ in den Westen. Jetzt leben nur noch etwa 5000 Menschen in der Kleinstadt. Ausgerechnet hier passiert ein Mord, der nicht nur Kommissarin Ulrike Bandow vor ein Rätsel stellt. Ein junges Mädchen wird aufgebahrt auf blühenden Zweigen in einem Wald gefunden. In seine Haut sind Runen eingeritzt, darunter die Eiwaz-Rune, das Symbol für Unsterblichkeit.

Ada Fink schildert in „Blütengrab“ eine Welt im Umbruch. Schon rotten sich im Ort die ersten Rechtsradikalen zusammen, um mit dumpfen Parolen anzustänkern gegen „die Ausländer“. Eine westdeutsche Aussteigerfamilie macht sich die niedrigen Immobilienpreise zunutze und lebt auf einem Bauerngut ihren – unangenehm rechtslastigen – Traum vom naturnahen Leben aus. Ein paar Kleinkriminelle schmuggeln nicht nur Zigaretten über die deutsch-polnische Grenze und verdienen sich damit eine goldene Nase.

Doch auch in der Vergangenheit lag einiges im Argen im idyllischen Wussnitz. Nach und nach wird hochgespült, worüber man zu DDR-Zeiten nicht sprach. Nicht nur Ulli Bandow trägt an einer alten Schuld, die zu begleichen sie sich ein halbes Leben gescheut hat.

„Blütengrab“ ist gute Krimikost, die man flott weglesen kann. Darüber hinaus ist Ada Fink, die in Berlin und Brandenburg lebt, mit diesem Buch eine spannende Zeitreise in die jüngste deutsche Vergangenheit gelungen.  

Petra Pluwatsch

Ada Fink: „Blütengrab“, Wunderlich, 446 Seiten, 16 Euro. E-Book: 9,99 Euro.

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