Dem medizinischen Beruf ein Denkmal setzen: Steffen Kopetzky mit seinem Pocken-Roman „Monschau“ im Literaturhaus Köln

Steffen Kopetzky bei seiner Lesung im Literaturhaus Köln, selbstverständlich pandemiebedingt ohne Publikum. Screenshot: Bücheratlas

Das sei ja wohl „der Roman der Stunde“, befand Moderator Manuel Gogos im Literaturhaus Köln, als er am Dienstagabend das Gespräch mit Steffen Kopetzky eröffnete. Seine Vermutung liegt recht nahe. Denn in „Monschau“ dreht sich alles um die historische Pockenepidemie in der Eifel im Jahre 1962. Da mutet vieles bekannt an – von Ansteckungsgefahr über Mundschutz und Quarantäne bis zum vermaledeiten Virus. Ja, wie kommt man darauf?

Steffen Kopetzky erhielt den entscheidenden Anstoß, als er mit dem Roman „Propaganda“ (2019)  auf Lesereise in der Eifel war. Darin spielt Günter Stüttgen (1919-2003) als ein der Humanität verpflichteter Mediziner im Zweiten Weltkrieg eine wichtige Rolle. Dass Stüttgen 17 Jahre nach Ende des Nationalsoizialismus den Pockenausbruch in der Eifel bekämpft hat, erfuhr Kopetzky 2019 eher beiläufig von dessen Witwe. Doch nun, im Frühjahr 2020 auf Lesereise unterwegs in der Eifel, irgendwo in der Nähe des Rursees, erreichte ihn die Nachricht, dass das Corona-Virus den ersten Europäer getötet habe. Da kam das eine zum anderen – und Kopetzky beschloss, einen Virus-Roman zu schreiben.

„Monschau“ hat viele Facetten – und von ihnen ist auf diesem Blog schon einmal HIER die Rede gewesen. Vor allem, so sagte es Kopetzky nun im Livestream des Literaturhauses, wollte er mit dem Roman „dem medizinischen Beruf ein Denkmal setzen.“ Dabei denke er an jene Menschen, die ihre eigene Gesundheit weniger achteten als die der Patienten. „Es sind unsere wichtigsten Mitbürger, die dafür sorgen, dass wir als zivile Gesellschaft weiter existieren können, weil sie uns den Rücken freihalten.“ Bei diesen Worten wurde einem der Roman noch ein bisschen sympathischer als er es eh schon war.

Dass es gleichwohl „Querdenker“ gibt, die die aktuell dominierende Pandemie für eine Spuk halten, erklärt sich Kopetzky zum einen damit, dass unser Gesundheitssystem „so perfekt“ sei, dass es die meisten Krankheiten besiegt habe. Da halte womöglich manch einer einen solchen Ausbruch für schier unvorstellbar. Zum anderen geht Kopetzky davon aus, dass die Masse der „Querdenker“ von einigen Personen instrumentalisiert werde. Diese versuchten, sagt er, „unsere offene liberale Gesellschaft zu spalten, weil sie diese bis ins Mark hassen.“ Da kochten einige ihr Süppchen und nutzten die Gutgläubigkeit der vielen aus.

Der Senator Helmut Schmidt, der später Bundeskanzler wurde, hatte angesichts der Hamburger Sturmflut von 1962 gesagt: „In der Krise beweist sich der Charakter.“ Steffen Kopetzky zitiert den Satz in „Monschau“. Und im Gespräch ergänzte er: Es beweise sich der Charakter des Menschen und der Charakter der Gesellschaft. Es ist was dran am Etikett, das „Monschau“ früh an diesem Abend verpasst wurde – ein „Roman der Stunde“.

Martin Oehlen

Auf diesem Blog findet sich eine Besprechung des Romans von Steffen Kopetzky – und zwar HIER .

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