Beim nächsten Mal wird eine Kuh ermordet: Marc Voltenauer im Gespräch über seinen Kriminalroman „Das Licht in dir ist Dunkelheit“

Foto: Bücheratlas

Mein Aufenthalt in der Schweiz war nur ganz kurz, etwa eine dreiviertel Stunde lang. Dann bin ich wieder abgereist aus Gryon, wo ein Krimi von Marc Voltenhauer spielt. Und wo der Autor in eben jenen 45 Minuten sein erstes Buch vorstellte – ganz ohne Maske und Abstand in seinem Arbeitszimmer. Ein Zoom-Meeting macht Kurztrips dieser Art möglich in den Zeiten der Pandemie.

Bereits im Jahre 2013, so erzählt Voltenauer, habe er angefangen, „Das Licht in dir ist Dunkelheit“ zu schreiben. In dieser Woche ist der Psychokrimi in deutscher Übersetzung im Kölner Emons Verlag erschienen – ein Werk mit zahlreichen Toten und einem bibelfesten Mörder, dem einst Schlimmes angetan worden ist. Jetzt rächt er sich an den Peinigern von früher. Und beschert Kommissar Andreas Auer von der Kripo Lausanne jede Menge Arbeit. Auer ist schwul wie der Autor selbst. Weitere biographische Details teilt Voltenauer mit Auers Lebenspartner Mikael, der wie auch er Theologie studiert hat, ohne je Pfarrer zu werden.

Voltenauer wurde 1973 in Genf geboren. Vater Deutscher, Mutter Schwedin. Dreisprachig aufgewachsen, in der Schule wurde Französisch gesprochen. Nach dem Studium folgten ein Bankjob und eine lange Weltreise, die der Autor in spe für die Lektüre zahlloser Skandinavien-Krimis nutzte. „Ich fand es interessant zu sehen, wie sie die Handlung aufbauten und Spannung erzeugten“, erzählt er. Nach der Rückkehr in die Schweiz zogen Voltenauer und sein Partner nach Gryon, wo die Schwiegereltern leben. Und Voltenauer begann genau das zu tun, was er in der Schule und während des Studiums eher vermieden hat. Er fing an, Texte zu verfassen.

„Bücher zu schreiben war nie mein Plan im Leben.“ Doch das Dörfchen Gryon mit seinen Ecken und Winkeln, „wo man wunderbar eine Leiche verstecken kann“, habe ihn inspiriert. Seine Vorliebe für die Krimis der Schwedin Camilla Läckberg, die ebenfalls in einem kleinen Nest spielen, wo jeder jeden kennt, trugen das Ihrige dazu bei. So sei 2013 aus einer spontanen Idee „Das Licht in dir ist Dunkelheit“ entstanden. „Ich fing an zu schreiben und konnte bis heute nicht mehr aufhören.“ Vor allem die Idee, eine erste Leiche in der Kirche zu platzieren, habe ihm gefallen.

Voltenauers Mörder ist ein Getriebener, der über Bibelzitate mit der Polizei kommuniziert ­ ­– ein armer Hund, dessen Seele schon in Kindertagen zerstört wurde. „Mir sind die psychologischen und menschlichen Aspekte bei meinen Protagonisten wichtig“, sagt der Autor. „Ich möchte Spannung in meine Geschichten hineinbringen. Genauso wichtig ist mir, den Lesern die Möglichkeit zu geben, sich selber Fragen zu verschiedenen Dingen des Menschseins zu stellen.“   

Inzwischen hat Voltenauer vier Bücher geschrieben. Der zweite Band der Reihe soll im Herbst 2022 ebenfalls bei Emons erscheinen. So viel sei verraten: „Es wird darin eine Kuh ermordet.“  

Petra Pluwatsch

Marc Voltenauer: „Das Licht in dir ist Dunkelheit“, dt. von Franziska Weyer, Emons, 448 Seiten, 18 Euro. E-Book: 14,90 Euro.

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