Ein Gruß zum Abschied vom Weihnachtsbaum 2020/21: Wilhelm Bode über „Tannen“ in Wald und Wohnung

Es war einmal! Aber der nächste Dezember kommt bestimmt. Foto: Bücheratlas

Kugeln runter und raus mit dem Ding. Für die meisten Tannenbäume hat am 6. Januar, am Tag der Heiligen Drei Könige, ihr letztes Stündlein geschlagen. Spätestens wenn die Weisen aus dem Morgenland dem Jesuskind ihre Aufwartung machen, wird der Christbaum, ohne Schmuck und oft kahl genadelt, zum Sondermüll. Zeit also für einen Abschiedsgruß und einen Lobgesang auf der Deutschen liebsten Baum. Ein kleines, feines – und natürlich tannengrün eingebundenes – Büchlein ist dabei hilfreich. Sein schlichter Titel: „Tannen“. Geschrieben hat es der Forstwissenschaftler und Naturschützer Wilhelm Bode für die „Naturkunden“-Reihe bei Matthes & Seitz.

Kein Zweifel, der Mann kennt sich aus mit allem, was Nadeln trägt. Und so ist der Einstieg in das informative Werk ein Parforceritt durch den deutschen Nadelwald, in dem beileibe nicht nur die edle Weißtanne steht. Die nämlich, bereits vor rund 5,5 Millionen Jahren auf europäischem Boden zu Hause, wurde im 19.Jahrhhundert mehr und mehr von der schnell wachsenden Fichte verdrängt, die bis heute das Sagen hat im Wald. Fichte und Tanne zu unterscheiden ist auf den ersten Blick nicht einfach, und nicht nur der Romantik-Maler Caspar David Friedrich verwechselte auf seinen Gemälden bisweilen die beiden Immergrünen.

Zum Christbaum erhoben wurde die Tanne – und alles, was der unwissende Weihnachtsfan dafür hält – erst im 19. Jahrhundert. Die Tradition, sich in den grauen Wintertagen etwas Grünes ins Haus zu holen, war bereits in der Antike bekannt und wurschtelte sich von dort durch bis ins Europa des 19. Jahrhunderts. Dort griff der Adel um 1800 einen Brauch auf, der bis dato allein in der Region zwischen Schwarzwald und Elsass gepflegt wurde. Die Damen und Herren von und zu stellten sich eine geschmückte Tanne in die gute Stube. Der Christbaum war geboren.

Seitdem hält der Siegeszug durch die deutschen Wohnzimmer an. Dichter und Maler verklärten ihn zum Inbegriff der Weihnacht. Den Deutschen bescherte er zudem das wohl meistgesungene Lied aller Zeiten: „O Tannenbaum, o Tannenbaum! Wie treu sind deine Blätter.“

Von all dem erzählt Wilhelm Bodes reich illustriertes Buch. Doch der Mann ist auch Naturkundler, und so erfahren wir darüber hinaus viel Wissenswertes über den Zustand des deutschen Waldes, über das Waldsterben und den Klimawandel, der zu einer Renaissance der langsam wachsenden Weißtanne beitragen könnte.

Petra Pluwatsch

Wilhelm Bode: „Tannen“, Matthes & Seitz, Berlin, 156 Seiten, 20 Euro. 

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