Das Schwarze Loch lässt niemanden entkommen: Astrophysiker Heino Falcke über das „Licht im Dunkeln“

Ein großartiges Schauspiel ist es, wenn sich Radioteleskope im Gleichklang dem All zuwenden. Hier handelt es sich um das Very Large Array in Socorro in New Mexico, das in Heino Falckes Buch eine kurze Erwähnung findet. Foto: Bücheratlas

Es ist nur ein Bild. Sogar deutlich unscharf. Aber doch einzigartig. Ein Blick in die Tiefe des Alls, wie ihn die Welt noch nicht geworfen hat. Erstmals ist ein Schwarzes Loch von gigantischen Ausmaßen zu sehen, 55 Millionen Lichtjahre entfernt von der Erde, zu Hause in der Galaxie Messier 87 und deshalb M87* genannt (ja, mit Sternchen). So nah ist man noch nie zuvor einem Schwarzen Loch gekommen. Eine Sensation. Sie wurde am 10. April 2019 in aller Welt gefeiert. Nun erzählt der Astrophysiker Heino Falcke in seinem persönlich gehaltenen Buch „Licht im Dunkeln“, wie er zu dieser einzigartigen Aufnahme kam und was es mit Schwarzen Löchern auf sich hat. Ganz nebenbei beantwortet Falcke auch noch ein paar große Fragen zu All und Schöpfung, Physik und Metaphysik.

Der Zusammenschluss von sieben Radioteleskopen in Chile (Alma und Apex in der Atacama-Wüste), Mexiko, USA (Arizona und Hawaii), Spanien und am Südpol war nötig, um 2017 den Fokus auf M87* zu richten. Das gesammelte Datenmaterial umfasste 3,5 Petabyte – dankenswerterweise gibt im Buch den Hinweis, dass ein Petabyte eine Zahl mit 15 Nullen sei. Kein Wunder, dass bis zur Auswertung und Veröffentlichung des Materials zwei Jahre verstrichen. Das Netzwerk des internationalen „Event Horizon Telescope“ (EHT) hatte ein faszinierendes Phänomen fixiert, einen sterneschluckenden  Weltraumfriedhof. Es wird einem gleich apokalyptisch zumute, wenn man die Tatort-Beschreibung liest: „Was ihnen zu nahe kommt, geben Schwarze Löcher nie wieder frei – nicht einmal Lichtstrahlen können ihnen entkommen.“

Bei der Niederschrift all dessen wurde Falcke, 1966 in Köln geboren, vom Journalisten Jörg Römer unterstützt. Im Verbund sorgen Falcke und Römer für eine populäre Darstellung der komplexen Materie, so dass der Laie geneigt ist zu glauben, er habe ansatzweise begriffen, wie das alles möglich war. Nur selten einmal denkt sich der Leser, dass etwas weniger rhetorischer Trommelwirbel auch gereicht hätte. So bei diesem Kapitel-Ende: „Ich würde dem Schwarzen Loch in den Rachen schauen! Unruhig stand ich auf und rannte umher.“ Die Sache an sich ist spektakulär genug.

Anschaulich und zuweilen atemberaubend werden Erkenntnisse der Astrophysik dargelegt: „Fünf Milliliter Neutronensternmaterie würden zweieinhalb Milliarden Tonnen wiegen – das ist die 8000-fache Masse des Kölner Doms auf einem einzigen Teelöffel.“ Von Sternen wie Du und ich ist die Rede: „Sterne werden geboren und sterben, sie entstehen aus Staub und werden wieder zu Staub.“ Auch die Wissenschaftsgeschichte wird gewürdigt, von Aristoteles über Kepler, Newton, Einstein und Schrödingers Katze bis in die Jetztzeit. Und wie steht es um die Außerirdischen? Falcke meint, es sei „sehr wahrscheinlich, dass wir nicht allein sind.“

Schließlich legt der Spitzenforscher im letzten Kapitel ausführlich dar, wie er Wissenschaft und Glaube in Einklang bringt: „Wenn uns die Wissenschaft des Weltalls gezeigt hat, wie klein wir sind, dann sagt uns Gott, wie wertvoll wir sind.“ Denn Wertschätzung sei keine physikalisch messbare Größe.

Martin Oehlen

Heino Falcke mit Jörg Römer: „Licht im Dunkeln – Schwarze Löcher, das Universum und wir“, Klett-Cotta, 378 Seiten, 24 Euro.

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