Zwei Tote im Bauschutt: „London Burning“ ist ein furioser Krimi von Parker Bilal mit staubtrockenem britischen Humor

Foto: Bücheratlas

Der Name Jamal Mahjoub steht in seinen Papieren, doch für den Auftakt zu einer neuen Krimireihe hat sich der britisch-sudanesische Autor das Pseudonym Parker Bilal zugelegt. In Deutschland ist der 60-Jährige weder unter dem einen noch unter dem anderen Namen einem breiten Publikum bekannt. Doch das dürfte sich bald ändern. Der Grund: Sein fabelhafter Krimi „London Burning“, der in deutscher Übersetzung erschienen ist.

Im Mittelpunkt steht der Londoner Kommissar Calis Drake, der schwer trägt an einem karibischen Vater und den Vorurteilen seiner latent rassistischen Kollegen. Für Männer wie seinen Erzrivalen DCI Pryce ist er ein korrupter Loser, für seine Freunde aus der Jugendzeit jemand, „der seine eigenen Leute in die Pfanne haut“.

So wundert es nicht, dass Drake im Alleingang versucht, einen komplizierten Mordfall zu lösen. Auf einer Baustelle werden die Leichen eines Mannes und einer Frau gefunden, begraben unter Steinmassen, die ihre Körper nahezu zermalmt haben. Schnell stellt sich heraus, dass die beiden Opfer vor Jahren im Irak entführt worden sind.  Gibt es vielleicht noch weitere Parallelen? Zwei Tage Zeit werden Drake eingeräumt, um den Mörder zu fassen. Kann er den Fall bis dahin nicht lösen, soll ein Ermittlungsteam die Sache übernehmen.

Bilal taucht tief ein in das Seelenleben seines Ermittlers. Drake kämpft mit einer unschönen Vergangenheit. Mit dem „ganz normalen“ Rassismus, dem er tagtäglich ausgesetzt ist. Und letztendlich mit einem durchgeknallten Mörder, dessen Gedankengänge mehr als wirr sind. In einem furiosen Finale stellt er den Täter. Und bezahlt seinen heroischen Einsatz fast mit dem Leben.

Erzählt wird die durchweg spannende Geschichte so wunderbar lakonisch, dass es geradezu aus den Seiten staubt. Wer also wissen möchte, wie englischer Humor funktioniert, dem sei dieser Krimi besonders ans Herz gelegt.

Petra Pluwatsch

Parker Bilal: „London Burning“, dt. von Ulrike Thiesmeyer, Rowohlt, 492 Seiten, 12 Euro. E-Book: 9,99 Euro.  

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