Martin Walker schenkt nach: Brunos zwölfter Fall ist ein Genuss

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Im Périgord lässt es sich leben, speisen und schreiben. Es ist die Heimat von Martin Walker und seinem Helden Bruno. Foto: Bücheratlas

Zugegeben, nach der Anfangseuphorie über die Schreiblust des Martin Walker wurde die Lektüre seiner heiter-sinnlichen Périgord-Krimis in den letzten Jahren zunehmend mühsam. Zu viele Kochrezepte, zu viele Elogen auf feine Weine und saftig gegarte Perlhuhn-Brüstchen. Ein neuer Walker? Na, schau‘n wir mal, ob wir den nicht schon kennen.

Jetzt liegt er also vor uns: „Connaisseur. Der zwölfte Fall für Bruno, Chef de Police“. Und? Große Überraschung. Der Krimi hat Tempo. Er hat einen guten Plot, eine überzeugende Lösung. Und er enthält wohltuend wenig Kochrezepte. Ein Treffer also nach einer längeren Durststrecke.

Zur Geschichte: Claudia Muller, eine reiche Kunststudentin aus den USA, wird tot in einem Brunnenschacht gefunden. Die junge Frau ist vollgedröhnt bis unter die Haarspitzen. Die Menge der Drogen lässt sich nicht allein mit den verschreibungspflichtigen Schmerzmitteln erklären, die sie gegen ihre Menstruationsbeschwerden genommen hat. Ein Unfall also, selbstverschuldet und schnell geklärt.

Doch der Vater des Mädchens gibt keine Ruhe. Bald kreuzt ein FBI-Mann im beschaulichen St Denis auf, um der Polizei auf die Finger zu schauen, eine rabiate Rechtsanwältin macht Bruno die Hölle heiß, und auch er selber hat berechtigte Zweifel, dass Claudia ohne Fremdverschulden in den Brunnen gestürzt ist. Zumal die Studentin zuvor die Echtheit einiger Gemälde aus der Sammlung eines bekannten Kunsthistorikers und Resistance-Kämpfers angezweifelt hat.

Beharrlich folgt Bruno jeder noch so kleinen Spur und findet dabei sogar noch Zeit, eine längst eingeschlafene Affäre wiederzubeleben. All das liest sich ausgesprochen amüsant, und fast wünscht man sich, dazuzugehören zu Brunos Freundeskreis und seiner kleinen, überschaubaren Welt im französischen Périgord.

Petra Pluwatsch

Martin Walker: „Connaisseur. Der zwölfte Fall für Bruno, Chef de Police“, dt. von Michael Windgassen, Diogenes,  440 Seiten, 24 Euro. E-Book: 20,99 Euro.

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