Laetitia Colombani führt in den Pariser Palast der Frauen

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Foto: Bücheratlas

Der erste Roman der französischen Schauspielerin und Regisseurin Laetitia Colombani, „Der Zopf“, wurde enthusiastisch gefeiert. Inzwischen ist das Buch um das Schicksal von drei Frauen aus drei Kontinenten in knapp 30 Sprachen übersetzt. Die Filmrechte sind selbstverständlich auch schon verkauft.

Nun hat Laetitia Colombani mit „Das Haus der Frauen“ ihren zweiten Roman vorgelegt. Handlungsort: das real existierende „Palais de la Femme“ in der Rue de Charonne in Paris. Der trutzige Zweckbau aus dem Jahr 1910 wurde 1926 von der Heilsarmee gekauft und in ein Wohnhaus für bedürftige Frauen umgewandelt. Initiatorin des ehrgeizigen Projekts war eine Kommissarin der französischen Heilsarmee:  Blanche Peyron. Sie und ihr Mann Albin brachten in den 1920er Jahren in einer beispiellosen Spendenaktion rund elf Millionen Francs zusammen und ermöglichten so den Kauf des leerstehenden Gebäudekomplexes. Am 23. Juni 1926 wurde der „Palais de la Femme“ offiziell eingeweiht.

Laetitia Colombani ist der Geschichte der Blanche Peyron nachgegangen und schildert eindringlich den Lebensweg der heute fast Vergessenen bis zu deren Tod im Jahr 1933. Ein zweiter Erzählstrang ist in der Gegenwart angesiedelt. Jeden Donnerstag sitzt die Pariser Staranwältin Solène im großen Gemeinschaftssaal des Palais und wartet auf Kundschaft. Solène hat den Selbstmord eines ihrer Klienten nicht verkraftet. Seit Monaten leidet sie an Depressionen. Die Kanzlei hat sie freigestellt, bis sie wieder arbeitsfähig ist. Die ehrenamtliche Tätigkeit als „öffentliche Schreiberin“ soll Solène helfen, psychisch wieder auf die Beine zu kommen. So verfasst sie für die Frauen im Haus, die nicht schreiben und lesen können, Bittbriefe, Liebespostillen und Grüße an die Heimat.

Solène lernt im Palast der Frauen eine Welt kennen, die ihr gänzlich unbekannt war. Unter den Bewohnerinnen sind viele Flüchtlinge aus Afrika und ehemalige Obdachlose, die sich nach Jahren auf der Straße schwertun, sich wieder einzufügen in eine Gemeinschaft mit strengen Regeln. Es kommt zu Konflikten unter den Frauen, sogar zu einem Selbstmord.

In einer knappen, schnörkellosen Sprache schildert Laetitia Colombani die unterschiedlichen Schicksale, die Ausraster und Streitereien. Nein, wohnen möchte man nicht in diesem Haus. Aber man versteht nach der Lektüre dieses engagiert erzählten Romans vielleicht ein wenig besser, wie eine Frau hineingeraten kann in diesen Strudel aus Armut, Verzweiflung und Gewalt, der sie irgendwann in die Tiefe reißt.

Petra Pluwatsch

Laetitia Colombani: „Das Haus der Frauen“, dt. von Claudia Marquardt, S. Fischer, 256 Seiten, 20 Euro. E-Book 16,99 Euro.

Colombani

 

 

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