Frankfurter Buchmesse 2019: All die großen Namen

Als Flaneur auf der Frankfurter Buchmesse fühlt man sich nicht selten wie eine Billardkugel, die hin- und herflippert und immerzu einen neuen Anstoß erhält. Da sind die vielen unbekannten Titel und die vielen verlockenden Namen von Autorinnen und Autoren, deren Werke man sogleich (wieder) zur Hand nehmen möchte. Da gucke man sich nur einige Nobelpreisträger an, die einem beim Rundgang 2019 ins Blickfeld geraten.

Nobelpreis 2018: Olga Tokarczuk

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Olga Tokarczuk, frisch gekürte Trägerin des nachgereichten Literaturnobelpreises für 2018, wird an allen möglichen Ständen in Frankfurt gefeiert. Eben dort, wo ein Verlag die Findigkeit und das Glück gehabt hat, auf die Polin zu setzen. In Deutschland ist es der Kampa-Verlag, der viele Titel vorrätig hat, darunter das Großwerk „Die Jakobsbücher“. Einige Prosaarbeiten hat Esther Kinsky übersetzt – auch den Roman „Ur und andere Zeiten“, der laut Programm im November erscheint. Unsere Aufnahme stammt vom polnischen Stand, wo die Freude über den Erfolg der Landsfrau sichtbar gemacht wird.  Foto: Bücheratlas

Nobelpreis 2019: Peter Handke

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Beim Suhrkamp-Verlag hat man flugs ein paar Aufkleber verklebt. Allerdings – die ganz große Peter-Handke-Nobelpreis-Jubel-Präsentation ist das nicht. Hier im Bildzentrum ein schönes Frühwerk von 1970, das so beginnt: „Dem Monteur Josef Bloch, der früher ein bekannter Tormann gewesen war, wurde, als er sich am Vormittag zur Arbeit meldete, mitgeteilt, dass er entlassen sei. Jedenfalls legte Bloch die Tatsache, dass bei seinem Erscheinen in der Tür der Bauhütte, wo sich die Arbeiter gerade aufhielten, nur der Polier von der Jause aufschaute, als eine solche Mitteilung aus und verließ das Baugelände.“ Da möchte man doch gleich weiterlesen. Foto: Bücheratlas

Nobelpreis 2014: Patrick Modiano

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Patrick Modiano hat den Literaturnobelpreis vor fünf Jahren erhalten. Auf faszinierende Weise  entführt er seine Leser regelmäßig in die jüngste Vergangenheit, ins Biographische, nach Paris. Bei Gallimard wurde zuletzt „Encre sympathique“ veröffentlicht. Auf Deutsch erscheint sein Werk im Hanser Verlag, zuletzt „Schlafende Erinnerungen“. So beginnt der Roman, der kurz wie alle Modiano-Werke ist: „Eines Tages auf den Quais hat ein Buchtitel mein Interesse geweckt, Die Zeit der Begegnungen. Auch für mich gab es eine Zeit der Begegnungen, in einer fernen Vergangenheit. Damals hatte ich oft Angst vor der Leere. Dieses Schwindelgefühl spürte ich nicht, wenn ich alleine war, sondern bloß mit gewissen Personen, denen ich gerade begegnet war.“  Foto: Bücheratlas

Nobelpreis 1993: Toni Morrison

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Toni Morrison, die im August 2019 verstorben ist, war viele  Jahre lang Lektorin bei Random House in den USA. In dem Essay-Band „Die Herkunft der anderen“ – Über Rasse, Rassismus und Literatur“, im Jahre 2018 bei Rowohlt erschienen, schildert sie unter anderem ihren Einsatz im Verlag für die afro-amerikanische Literatur. Allerdings erinnert Random House jetzt  vor allem an das literarische Werk der Schriftstellerin, die 1995 den Literaturnobelpreis erhalten hat. Wir greifen weit zurück, finden „Sula“ von 1973 und lesen den Anfang: „Wo sie die Nachtschattenstauden und das Brombeergestrüpp herausgerissen haben, um Platz zu schaffen für den Golfplatz von Medallion City, dort standen einst Häuser. Die Siedlung zog sich von den Hügeln oberhalb der Talstadt Medallion bis zum Fluss hinunter. Heute nennt man die Gegend Stadtrand, aber als schwarze Menschen dort lebten, wurde sie der ‚Bottom‘ genannt.“               Foto: Bücheratlas

Nobelpreis 2020 (?): Salman Rushdie

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Stimmt – Salman Rushdie hat den Literaturnobelpreis ja noch gar nicht bekommen. Verdient hätte er ihn natürlich schon längst, wenn man allein an die überwältigende Erzählpower der „Mitternachtskinder“ denkt. Outstanding wie „Die Blechtrommel“ bei Grass oder „Hundert Jahre Einsamkeit“ bei García Márquez. Soeben ist bei Bertelsmann der Roman „Quichotte“ erschienen, mit dem Rushdie auf Lesereise nach Deutschland kommen wird. So geht es los: „Einst lebte an verschiedenen Adressen quer durch die Vereinigten Staaten von Amerika ein Reisender indischen Ursprungs, fortgeschrittenen Alters und mit schwindenden geistigen Kräften, der angesichts seiner Liebe zum geistlosen Fernsehen viel zu viel Lebenszeit im gelben Licht von geschmacklosen Motelzimmern verbracht hatte, wo er bis zum Exzess schaute, und der als Folge eine absonderliche Form des Hirnschadens davongetragen hatte.“ Literaturnobelpreis 2020?  Foto: Bücheratlas

M. Oe.

 

 

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