R. R. Suls überzeugender Psychotrip in ein Familientrauma

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Traumata und Psychosen machen der Familie des Ich-Erzählers zu schaffen. Foto: Bücheratlas

Wolfs Start ins Leben ist nicht der beste. Die Mutter hat psychische Probleme. Er selber muss einen Schutzhelm tragen, weil er angeblich unheilbar krank ist und keine Sonne verträgt. Jahrelang durfte das Kind nur bei Nacht das Haus verlassen, Warzen überziehen seinen Körper und machen ihn zum Gespött seiner Mitschüler. Kein Wunder also, dass aus Wolf ein Sonderling wird. Einer, der am liebsten allein ist und in der Gesellschaft von Menschen zu Torheiten neigt.

R.R. Sul zeichnet in „Das Erbe“ das Psychogramm eines einsamen Mannes, der ein Leben lang unter der Last einer verstörenden Kindheit leidet. Der Name ist ein Pseudonym, was ausgesprochen schade ist. Zu gerne hätte man der Person zu diesem tiefsinnigen, psychologisch überzeugenden Roman gratuliert.

Der Ich-Erzähler hinterlässt seine Lebensbeichte Karlchen, seinem einzigen Enkel, der in Neuseeland lebt. Ob dessen Vater, Wolfs Sohn Augustin, dem Kleinen einmal vom Leben des Großvaters berichten wird, ist fraglich. Zu viel ist passiert in dieser instabilen Familie, wo das Trauma einer kaputten Kindheit von Generation zu Generation weitergereicht wird: Wolfs Ehe scheitert, einer seiner Söhne verunglückt tödlich. „Fluch“ nennt Augustin das Familienerbe, dem er sich durch Flucht entziehen will. Vor allem Wolfs Halbbruder, der kriminell veranlagte Freddy, spielt in der Familiengeschichte eine unrühmliche Rolle. Immer wieder platzt er in Wolfs Leben hinein, auch er ein Suchender, der sich mit aller Gewalt Liebe und Anerkennung verschaffen will.

Petra Pluwatsch

R.R. Sul: „Das Erbe“, dtv, 224 Seiten, 21 Euro. E-Book: 18,99 Euro.

Sul

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