Jussi Adler-Olsen reist mit Sonderermittler Morck durch Deutschland

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Berlin ist einer der Tatorte des Adler-Olsen-Thrillers. Foto: Bücheratlas

Ein Rockstar wäre er gern geworden, sagte Jussi Adler-Olsen einmal im Gespräch mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Einer, „der mit seiner E-Gitarre ganz vorn auf der Bühne im Rampenlicht steht und das Publikum zum Toben bringt“. Da war in Deutschland gerade sein zweiter Thriller erschienen. Die Verkaufszahlen sprachen eine deutliche Sprache, auf den Bestsellerlisten besetzte „Schändung“ über Wochen einen der vorderen Plätze.

Mittlerweile ist mit „Opfer 2117“ der achte Band von Adler-Olsens Carl-Morck-Reihe erschienen. Der Traum des dänischen Erfolgsautors ist zumindest teilweise in Erfüllung gegangen: Carl Valdemar Jussi Henry Adler-Olsen, 1950 in Kopenhagen geboren, bringt das Publikum zum Toben. Rund zehn Millionen Bücher hat er bis heute weltweit verkauft. Übersetzt wurden die Reißer aus seiner Feder in mehr als 40 Sprachen.

Auch sein jüngster Thriller – den Adler-Olsen in diesen Tagen in Deutschland vorstellt, so auch zum Auftakt der lit.Cologne-Spezial – hat das Zeug zum Bestseller. Hat sich der Meister des Cliffhangers in „Opfer 2117“ doch ein hochaktuelles Thema vorgeknöpft. Eine Gruppe Islamisten, einige von ihnen angeblich Kriegsflüchtlinge aus Syrien, plant einen Anschlag in Deutschland. Involviert in die üble Geschichte: Juan Aiguader, ein ehrgeiziger spanischer Journalist, der den Terroristen per Zufall vor die Füße stolpert. Und Hafez el-Assad, Mitarbeiter des „Sonderdezernats Q“. Die Spezialabteilung für ungelöste Fälle residiert im Keller der Kopenhagener Polizei und setzt sich zusammen aus Querköpfen wie dem Sonderermittler Carl Morck, der schnoddrigen Assistentin Rose. Und eben auch dem angeblichen Syrienflüchtling Assad, der so putzig Dänisch radebrecht.

Dass der Mann aus Nahost mehr draufhat, als im Kommissariat die Flure zu putzen, hat er schon mehrfach bewiesen. In „Opfer 2117“ erfährt man endlich, wer hinter der Maske des stillen, stets hilfsbereiten Zuarbeiters steckt: ein todeserfahrener dänischer Elitesoldat mit Migrationshintergrund, der vor 15 Jahren bei einem Einsatz im Irak Frau und zwei Töchter an einen durchgeknallten Anhänger Saddam Husseins verlor. Doch die alte Geschichtete ist noch lange nicht vorbei. Aus seinem ehemaligen Peiniger Ghaalib ist ein hochgefährlicher Terrorist geworden, der einen beispiellosen Rachefeldzug gegen ihn plant.

„Assad ist der beste Freund der Leser“, sagt Adler-Olsen über seinen liebenswürdigen Protagonisten. Der verdanke seinen Charakter hauptsächlich „den vielen gut ausgebildeten Taxifahrern aus dem Nahen Osten“. Weitere Inspirationen für seine Bücher zieht der dänische Autor aus dem täglichen Wahnsinn der Welt – und nicht zuletzt aus den Erfahrungen, die er dereinst als Sohn eines Kopenhagener Psychiaters machte. Adler-Olsen kennt sich von Kindesbeinen an aus mit den Untiefen menschlichen Denkens und Empfindens. Und so handelt ein Nebenstrang in seinem jüngsten Buch von Alexander, einem computersüchtigen Nerd mit Tötungsphantasien.

Der heute 69-Jährige fand erst spät zum Schreiben. Als Student betrieb Adler-Olsen einen Comicladen, der prompt zum In-Treff der dänischen Comic-Szene wurde. Er gab ein Comic-Lexikon heraus, arbeitete viele Jahre als Verlagschef für das Wochenblatt „TV Guiden“ und war Aufsichtsratsvorsitzender bei verschiedenen Energiekonzernen. Am meisten Spaß mache ihm jedoch sein Job als Autor, beteuert Adler-Olsen gern. Schon 1980 schrieb er einen ersten Roman, „Russische Kabale“, der freilich keinen Verleger fand. Der zweite, „Alphahaus“ aus dem Jahr 1997, wurde bereits ein bescheidener Erfolg. Seinen Durchbruch allerdings erlebte er erst mit seiner Carl-Morck-Reihe, die 2007 mit „Erbarmen“ auf Erfolgskurs ging. Seitdem liefert er alle ein oder zwei Jahre eine weitere Folge ab. Er höre erst auf, wenn er sich nicht mehr verbessern könne, verspricht der Autor. Das allerdings steht bislang nicht zu befürchten.

Petra Pluwatsch

http://www.ksta.de

Veranstaltungen mit Jussi Adler-Olsen

in Köln am Montag, 14. Oktober, 19.30 Uhr, in der Stadthalle Köln-Mülheim, Jan-Wellem-Str. 2, 51065 Köln, im Rahmen der lit.Cologne-Spezial. Moderation: Antje Deistler;

in Hamburg am Dienstag, 15. Oktober, 20 Uhr, im Audimax. Moderation: Margarete von Schwarzkopf;

in Frankfurt auf der Buchmesse am Donnerstag, 17. Oktober, 15.30 Uhr (Gespräch) und am Freitag, 18. Oktober, 13 Uhr (Signierstunde).

Jussi Adler-Olsen: „Opfer 2117“, dt. von Hannes Thiess, dtv, 592 Seiten, 24 Euro. E-Book 20,99 Euro.

Olsen

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