Reise ans Ende der Welt (15): René Char in L’Isle-sur-la-Sorgue

Dies ist eine Reise ans Ende der Welt und wieder zurück. Durchs Elsaß, die Auvergne und Aquitanien, durch  Spaniens starken Norden übers Baskenland und Galicien bis nach Finis terrae, dann zurück über die Provence und den Kanton Freiburg. Sächliches und Nebensächliches in loser Folge.

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Wo heute an der Hauswand das „Centre d’Art“ angekündigt wird, befanden sich ehedem die Zeilen „Maison René Char“.  Foto: Bücheratlas

Der Lyriker René Char (1907-1988) ist, wie man so sagt, ein Sohn der Stadt – ein Sohn von L’Isle-sur-la-Sorgue in der Provence. Sein Vater war hier Bürgermeister gewesen. Er selbst wuchs auf in einem Anwesen, das „Les Névons“ genannt wurde, umgeben von einem Park, von ihm besungen im Gedicht. Heute ist es der Name eines ordentlichen Hotels in der von vielen Touristen heimgesuchten Stadt. Ganz klar – L’Isle-sur-la-Sorgue, vom Fluss umspielt, ist der Ort, zu dem René Char gehört. Doch das Museum mit Memorabilia, das ihm gewidmet war, gibt es nicht mehr. Die Witwe Marie-Claude Char hat die Sammlung abgezogen. Vor Jahren schon.

Untergebracht waren die Erinnerungsstücke im Hotel Campredon aus dem 18. Jahrhundert, vom Architekten Esprit-Joseph Brun errichtet für einen gewissen Charles-Joseph de Campredon. Als wir vor der Fassade am Quai Frédéric Mistral stehen, mit dem Rücken zum Fluss La Sorgue, fehlt dem Museumsnamen Campredon gerade ein „m“. Und wo zuvor „Maison René Char“ geschrieben stand, lesen wir jetzt: „Centre d’Art“. Zu sehen sind dort Kunstausstellungen. Bis Ende September 2019 Fotografien von Guy Bourdin, ab Oktober Skulpturen von Pierre Sgamma. Aber René Char – den sucht man hier jetzt vergebens.

Im Jahre 2003 hatte man das „Maison René Char“ eröffnet. Doch schon sechs Jahre später zog Marie-Claude Char die Sammlung ab. Sie sah eine Verabredung von der Stadt gebrochen: Die Ausstellungen, die die ständige Char-Sammlung ergänzten, sollten in Verbindung mit dem Autor stehen. So gab es Präsentationen zu befreundeten Autoren oder Künstlern, zu Paul Eluard, Martin Heidegger, Albert Camus (ein schönes Foto zeigt die Freunde in kurzen Hosen in Isle), zu Giacometti, Miro und Picasso (auch hierzu ein Foto, das Char mit Federschmuck und Picasso mit einer Art amerikanischem Feuerwehrhelm zeigt).

Aber die Kommune – so haben wir es nachgelesen in der Zeitung „Le Dauphiné“ – wollte sich nicht länger in der Programmatik beschränken. Sie wollte die Freiheit haben, auch solche Künstler auszustellen, die nicht in Verbindung zu bringen sind mit dem Poeten, Surrealisten, Résistance-Kämpfer. Und das war’s dann mit dem „Maison René Char“. Wie bedauerlich.

Nur ein paar Kilometer entfernt, im Petrarca-Museum in Fontaine de Vaucluse, gibt es eine kleine Kompensation. Dort sind im Erdgeschoss auch einige Werke von René Char zu sehen, die von seinen Künstlerfreunden illustriert worden sind. Mehr dazu HIER.

Übernachten

* Das Hotel Les Névons haben wir erwähnt. Darum soll es auch hier vorkommen. Ein grundsolides Haus der guten Mittelklasse mit freundlichem Personal – aber weltweit ist das Hotelpersonal ja freundlicher geworden, vermutlich auch eine Reaktion darauf, dass das Netz alles und jedes kommentiert. Das Hotel ist wenige Schritte von der kleinen Altstadt entfernt. Großer Parkplatz.

PS: Alle Übernachtungs-Tipps sind ohne Kenntnis oder gar Unterstützung der betroffenen Unterkünfte recherchiert und verfasst worden. Die Wohlfühl-Sterne: * ordentlich ** gut *** sehr gut **** überragend ***** außergewöhnlich.
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Da isses – das Hotel an der Sorgue. Foto: Bücheratlas

Martin Oehlen

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