Reise ans Ende der Welt (14): Bilbaos Kunstmekka mit Hund und Tulpen

Dies ist eine Reise ans Ende der Welt und wieder zurück. Durchs Elsaß, die Auvergne und Aquitanien, durch  Spaniens starken Norden übers Baskenland und Galicien bis nach Finis terrae, dann zurück über die Provence und den Kanton Freiburg. Sächliches und Nebensächliches in loser Folge.

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Hier wacht er: Der Blumenhund von Jeff Koons vor dem Guggenheim Museum von Frank O. Gehry. Foto: Bücheratlas

Das Umfeld ist berauschend. Fluss, Freiraum, Farben, Boulevards, Außenskulpturen und eine Museumsarchitektur, die immer noch ein Spektakel ist. Natürlich sieht all das am am besten im Sonnenschein aus. Gerne kolportieren wir die These, dass Bilbao an diesem Ort nichts als Kunst atmet, Kunst denkt, Kunst will. Jeff Koons‘ haushoher Blumenhund – Kunstkitsch hin, Kitschkunst her und von der Kutschkinst ganz zu schweigen – ist eine derart freundliche Begrüßung, dass man gar nicht glauben kann, was an Bosheit in der Welt unterwegs ist.

Das Innere des Guggenheim Museum kann mit dieser überragenden Intensität nicht immer mithalten. Jedenfalls nicht mit Piet Mondrians Stillleben, denen gerade, als wir uns umsehen, eine große Ausstellung gewidmet wird. Sind halt ein sehr stilles Spektakel. Auch die Zahl der Exponate im gesamten Gebäude ist überraschend übersichtlich. Also vergleichsweise. Aber was sind schon Zahlen. Es kommt aufs Erleben und Begreifen an. Werk für Werk.

Geradezu körperliche Erfahrungen provozieren Richard Serras monumentale Installationen aus korrodierendem Stahl. Irrgärten zuweilen, in denen schon mancher die Panikattacke nahen spürte: Komme ich hier jemals wieder hinaus? Oder die grellen Schriftbänder der wunderbaren Jenny Holzer, die bis fast unters Museumsdach jagen und einen Sog erzeugen, der einen schwindelig macht. Gleichgewicht – wo bis du?

A propos – die schmalen Übergänge im zweiten oder dritten Stock des Gebäudes sind nichts für Menschen mit Höhenangst. Aber dort, ganz oben, kann man aktuell Entspannung finden – bei Gerhard Richters frühen Seestücken. Das Meer anbrandend bei Sonnenaufgang und bei Wolkenverhangenheit.

Ein Ort ist dieses Museum, in dem man sich „gerne“ aufhält. Deutsche Besucher lockt das Haus – traut man den umherschwirrenden Sprachklängen – neben denen aus Spanien besonders stark an. Und Holländer lassen sich vorzugsweise vor Jefff Koons‘ metallisch bunt strahlendem Tulpenstrauss (im Aussenbereich) fotografieren. Zwischenfrage: Wann wurden die „Tulpen aus Amsterdam“ veröffentlicht? Na? 1956. Verdammt lang her, dieser Song.  In niederländischer Übersetzung: „Tulpen uit Amsterdam“. Finden Sie den Unterschied! Für Spanier gibt es den Museums-Kurzführer nicht nur auf Spanisch, sondern auch auf Galicisch, Baskisch und Katalanisch. Ist doch schön, wenn man so viele Sprachen ehrt. Der jeweilige Separatismus ist selbstverständlich ein anderes Thema.

Nicht zuletzt: Die sehr zahlreichen Wärterinnen im Guggenheim, mit praktischer Handtasche für Funkverkehr und Kosmetika ausgestattet, sind sehr zuvorkommend. Dass man nicht fotografieren dürfe, wird mit einem Liebreiz zum Ausdruck gebracht, dem man allzu gerne Folge leistet.

Die Ausstellungen zu Mondrian, Richter, Holzer und Lucio Fontana laufen bis September beziehungsweise Oktober. Richard Serra ist dauerhaft zu sehen. Ab Oktober folgen dann Ausstellungen mit Werken von Thomas Struth, Jesús Rafael Soto und aus der Bremer Kunsthalle.

Übernachten

* Nein, in Bilbao selbst haben wir nichts ausprobiert. Aber weniger als eine Stunde entfernt das Hotel Mondragon in der Stadt Arrasate-Mondragon. Sehr ordentliches Mittelklasse-Hotel. Ruhige Lage am Altstadtrand.

PS: Alle Übernachtungs-Tipps sind ohne Kenntnis oder gar Unterstützung der betroffenen Unterkünfte recherchiert und verfasst worden. Die Wohlfühl-Sterne: * ordentlich ** gut *** sehr gut **** überragend ***** außergewöhnlich.
Mondragon-A (2)

Die Materialausgabe findet an der Hotel-Rezeption statt. Foto: Bücheratlas

Martin Oehlen

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