Reise ans Ende der Welt (3): Der Wind am Kreisverkehr von Orcival

Dies ist eine Reise ans Ende der Welt und wieder zurück. Durchs Elsaß, die Auvergne und Aquitanien, durch  Spaniens starken Norden übers Baskenland und Galicien bis nach Finis terrae, dann zurück über die Provence und den Kanton Freiburg. Sächliches und Nebensächliches in loser Folge.

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Das Zentrum von Orcival in der Auvergne Foto: Bücheratlas

Der Wind. Er bläst kräftig in Orcival. „Wir können ja deutsch reden“, sagt die Dame im schwäbelndem Duktus. Mit ihrem aus Straßburg stammendem Mann leitet sie das zentrale Café, den zentralen Lebensmittelladen, den zentralen Souvenirshop in dem nicht einmal 300 Einwohner zählenden Orcival in der Auvergne. Die Attraktion des Ortes ist die romanische, aus dem 12. Jahrhundert stammenden Kirche Notre-Dame. Dunkles Vulkangestein. Pyramidal nach oben strebend. Mit einer Nussholz-Madonna als Wallfahrerziel.

Sonst ist hier nicht viel los. Aber das ist toll. Man sieht hier womöglich mehr, weil man weniger sieht. Wie die zwei städtischen Gärtner, die liebevoll die vier Quadratmeter große Verkehrsinsel beharken und begrünen. Ab und an halten sie mal inne, wenn ein Bekannter seinen Wagen mitten im Kreisel stoppt. Direkt vor dem Hinweisschild „Toutes directions“. Ein paar Worte wechseln, lachen, grüßen. „Am schönsten ist Frankreich“, sagte einmal ein Nachbar in Köln, „doch in der Provinz.“

Erst vor zwei Jahren hat sich die Schwäbin mit dem Elsässer in der Auvergne niedergelassen. Die ist stiller als andere, prominentere Reiseregionen von la belle France. „Wir haben eine neue Herausforderung gesucht, nachdem mein Mann arbeitslos geworden war.“ Und sie sind sehr zufrieden. Dann zählt sie die Weltgegenden auf, aus denen die Leute schon zu ihnen gekommen seien. „Sogar aus Japan.“ Und die Salers-Kühe der Auvergne geben nur so lange Milch, so lange sie ein Kälbchen zu säugen haben. „Das finde ich hervorragend.“

Allein der Wind. „Manchmal jagt der so durch das Tal, dass man meint, er nimmt das ganze Haus mit.“ Die Einheimischen, die schon viel länger hier sind, sagen, dass das früher nicht so gewesen sei. Erst seit zehn Jahren sei er da, der Wind.

Auch das noch

Die Vulkanlandschaft! Das gibt es viele lohnende Touren. Von Orcival ist man auf engen Straßen bald im Thermalort Le Mont-Dore oder ein wenig weiter bei der Hochburg von Murol oder am Lac Chambon, um den ein eine Stunde dauernder Spaziergang führt. Alles nicht in der Fünf-Sterne-Tourismus-Spektakel-Kategorie, aber sehr schön.

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Lac Chambon Foto: Bücheratlas

Übernachten

** „La Villa du Lac“ ist ein angejahrtes und hellhöriges, aber knuffiges Etablissement an der Uferstraße. Vermutlich die beste Adresse des an guten Adressen nicht reichen Ortes. Die drei Zimmer mit feinem Seeblick haben je einen Minibalkon und je zwei pinkfarbene Stühle. Kleines Frühstücksbüffet. Kostenloser Parkplatz direkt vor der Türe – in der Hochsaison, sagt der Hausherr, werden aber auch diese Plätze knapp.

Alle Übernachtungs-Tipps sind ohne Kenntnis oder gar Unterstützung der betroffenen Unterkünfte recherchiert und verfasst worden. Die Wohlfühl-Sterne: * ordentlich ** gut *** sehr gut **** überragend ***** außergewöhnlich.
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Villa mit rustikalem Charme Foto: Bücheratlas

Martin Oehlen

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