Das Standardwerk zum Bauhaus, das vor 100 Jahren gegründet wurde

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Der Mensch als Marionette: Kurt Schmidts Szenenentwurf für das Bühnenstück „Der Mann am Schaltbrett“ aus dem Jahre 1924. Foto: Taschen Verlag

Gefeiert wird das Bauhaus-Jubiläum schon eine ganze Weile. Doch jetzt ist das historische Datum tatsächlich erreicht.  Es war der Aufbruch in eine neue Zeit, den diese Kunstschule bei ihrer Gründung am 12. April 1919 in Weimar wagte. Das Bauhaus wollte Kunst und Kunsthandwerk, Schönheit und Einfachheit vereinen. Walter Gropius, der erste Direktor, hatte als Ziel ausgegeben,  „die hochmütige Mauer zwischen Künstler und Handwerker“ einzureißen. Nur 14 Jahre  währte die vielschichtige Bewegung, die auf viele Lebensbereiche zielte – von der Architektur bis zur Mode,  von der Bildhauerei bis zur Bühne, vom Film bis zum  sozialen Miteinander. Dann brach sich der Nationalsozialismus seine zerstörerische Bahn.

Das Jubiläum 2019, hundert Jahre nach der Gründung, wird gleichsam bekrönt von der soeben erfolgten Eröffnung des Bauhaus-Museums in Weimar. Aber auch auf dem Buchmarkt gibt es einige Sehenswürdigkeiten. Eine Besonderheit ist dabei der Band  von Magdalene Droste im Taschen-Verlag. Dabei handelt es sich um die überarbeitete Neuauflage eines 30 Jahre alten Standardwerks. Es entstand in Kooperation  mit dem Bauhaus-Archiv  in Berlin, der größten Sammlung zur Geschichte der Einrichtung. Die jetzt aktualisierte Fassung  punktet mit über 250 zusätzlichen Abbildungen. Es sind „Zeugnisse einer idealistischen Kreativgemeinschaft“, wie es heißt, „die entschlossen war, Gestaltung völlig neu zu denken und eine bessere Zukunft für moderne Menschen zu formen.“ Und dabei auch noch Spaß zu haben.

Walter Gropius hatte gemeinsam mit Henry van de Velde die theoretische Basis fürs Bauhaus geschaffen. Stets in prekärer Finanzlage befindlich, war es erst in Weimar und dann in Dessau angesiedelt. Direktoren in der Nachfolge von Gropius waren Hannes Meyer und Ludwig Mies van der Rohe. Zu den vielen namhaften Lehrern zählten Josef Albers, Marcel Breuer, Lyonel Feininger, Wassily Kandinsky, Paul Klee, Gerhard Marcks, Laszlo Moholy-Nagy, Oskar Schlemmer und Joost Schmidt.

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Die Fotografie von Judith Karasz – eine Doppelbelichtung aus dem Jahre 1931/32 – zeigt die Bauhaus-Fassade mit der Bauhäuslerin Otti Berger. Berger hatte sich mit ihren Webarbeiten einen Namen gemacht. Foto: Taschen Verlag

Frauen hatten es allerdings auch am Bauhaus nicht leicht, Anerkennung und Aufnahme zu finden. Zwar wirkte neben anderen Gunta Stölzl erfolgreich in der Textilwerkstatt in Dessau. Doch zumal für die Weimarer Jahre hält die Autorin Magdalena Droste fest, „dass den Frauen der Zugang grundsätzlich erschwert wurde und dass sie, wenn sie ersten Hürden genommen hatten, in die Weberei verdrängt wurden.“ So fortschrittlich das Bauhaus in vielen Bereichen war – in diesem Punkte war es das nicht. Auch davon handelt dieses Standardwerk.

Martin Oehlen

Magdalena Droste: „Bauhaus – 1919 bis 1933“, Taschen, 400 Seiten, 40 Euro.

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