„Als könnte alles passieren, auch das Große“: Ewald Arenz erzählt in seinem Roman von der „Liebe an miesen Tagen“

Elias ist Schauspieler und macht sich auf die Suche nach dem besten Platz im Leben. Foto: Bücheratlas

Das große Glück? Manchmal, in den ersten Tagen des Frühlings, blitzt es auf am Horizont.  Dieses „Gefühl, als könnte alles passieren, auch das Große. Es ist so, als ob es an einem zöge; sachte, aber immer spürbar. In die Ferne und nach oben, und du darfst für einen Moment nicht mal atmen, weil du für diese wenigen Augenblicke meinst, dass es irgendwo wirklich das große Glück gibt. Und dann wüsstest du, in welche Richtung du gehen müsstest. Zum Glück.“

„Das richtige Leben leben“

Doch solche Momente sind rar im Leben des Schauspielers Elias. Er steckt fest im falschen Leben mit der falschen Frau und sehnt sich doch mit allen Fasern seines Herzens nach einem anderen. „Dieses Nebeneinander von noch nicht und schon spiegelte auf seltsame Weise sein Inneres. Dieses Gefühl, das im Frühling am stärksten war: dass alles noch kommen würde. Dass er auf etwas wartete. Dass sich in diesem Jahr erfüllen müsste, worum es eigentlich ging: das Leben.“

Als er der Fotografin Clara begegnet, scheint sein Warten ein Ende zu haben. Zum ersten Mal hat er das Gefühl, „die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Das richtige Leben zu leben.“ Damit beginnt eine Liebesgeschichte, die so schön und bitter und schicksalsschwanger ist, dass man sich unweigerlich an Erich Segals mehr als 50 Jahre alten Bestseller „Love Story“ erinnert fühlt.

Die vielen Möglichkeiten, einander misszuverstehen

„Die Liebe an miesen Tagen“ erscheint an diesem Montag. Es ist Ewald Arenz‘ zweiter Roman nach seinem Überraschungserfolg „Alte Sorten“ aus dem Jahr 2020, mit dem er wochenlang an der Spitze der Bestsellerlisten stand. Auch „Der große Sommer“, 2021 erschienen, geriet zum Bestseller und wurde von den deutschen Buchhändlerinnen und Buchhändlern zu ihrem „Lieblingsbuch“ gewählt.

Wie schon in den Vorgängerromanen thematisiert Ewald Arenz in seinem jüngsten Werk das komplizierte Beziehungsgeflecht zwischen Menschen, die sich mögen, und die Vielzahl an Möglichkeiten, einander misszuverstehen und zu verletzen. Auch Clara hat sich in ein Leben verstrickt, das ihr mehr und mehr die Luft zum Atmen nimmt.

Alles auf Anfang

Paul, ihr Ehemann, ist vor einigen Jahren gestorben. Zwar war bei seinem Tod ihre Liebe zu ihm längst erloschen. Dennoch ist sie seitdem keine neue Partnerschaft eingegangen, und auch den Liebesbeteuerungen von Elias wagt sie nicht zu trauen. Wird er bleiben, wenn sie, die zehn Jahre älter ist als er, ihre Schönheit verliert? Wenn eine räumliche Trennung ihrer Beziehung die Vertrautheit des täglichen Miteinanders nimmt?  „Ich will nicht jeden Tag, den ich dich nicht sehe, mit der Angst leben, dass ich zu alt für deine Liebe werde“, erklärt sie dem Geliebten, als der sie bittet, auf seine Liebe zu vertrauen.

Man trennt sich. Man versucht, ohne einander zu leben. Die Liebe an miesen Tagen halt. Schließlich stellt eine schwere Krankheit noch einmal alles auf Anfang. Und doch will es zunächst nicht klappen mit der Liebe, denn die ist eine komplizierte Sache, egal, ob man ein Teenager ist oder die Hälfte seines Lebens bereits hinter sich hat.

Besseres Ende als in der „Love Story“

Ewald Arenz ist ein einfühlsamer Erzähler, der es schafft, dieses ganze emotionale Durcheinander mit seinen Aufs und Abs, seinen zahlreichen Drehungen und Wendungen glaubwürdig herüberzubringen. Anrührend auch die Szenen, in denen das Schicksal von Claras demenzkranker Mutter thematisiert wird. Behutsam beschreibt er den geistigen Verfall der alten Dame, die dennoch nichts von ihrer Würde eingebüßt hat.

Leider fehlt diesem Buch stellenweise die sprachliche Strahlkraft, die es zu einem wirklich großen Roman machen würde. Da gibt es das ein oder andere schiefe Bild und unnötige Wortwiederholungen, die bei allem Wohlwollen nicht als gewollt durchgehen können. Das ist ein wenig schade, denn Ewald Arenz jüngstes Werk enthält viele kluge Passagen über das Leben und die Liebe. Und: Er geht besser aus als Erich Segals „Love Story“.

Petra Pluwatsch 

Ewald Arenz: „Die Liebe an miesen Tagen“, DuMont, 380 Seiten, 24 Euro. E-Book: 19,99 Euro. 

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