Aufbruch in ein neues Leben: „Der schräge Vogel fängt mehr als den Wurm“ von Gisela Steinhauer stellt Menschen mit Mut und Neugier vor

Zur Ruhe und auf andere Gedanken kommen – das ist Gisela Steinhauer bei einer Reise nach Asien geglückt. Das Ergebnis liegt nun als Buch vor. Foto: Bücheratlas

Ayurveda auf Sri Lanka! Das bedeutet: „Ölmassagen, bittere Naturmedizin. Scharfes Gemüse unter Palmen am Indischen Ozean.“ Und natürlich die tägliche Meditationsstunde mit Mönch Danny vom Bentota-Fluss, der die Stunde mit dem stets gleichen Mantra beginnt: „Iamhereandmymonkiswithme.“ Nicht denken, weder an die Zukunft noch an die Vergangenheit. Einfach loslassen.

Gedanken auf Wanderschaft

Hat alles prima geklappt bei der Kölner Journalistin Gisela Steinhauer. „Noch nie hatte ich mich in kurzer Zeit so gut erholt.“ Nur die Sache mit dem Nicht-Denken, die hat nicht so ganz hingehauen. Kaum begann die Meditationsstunde, gingen ihre Gedanken auf Wanderschaft. Was beileibe kein Nachteil sein muss, denn bei dem Gedankenkarussell ist ein ebenso amüsantes wie lehrreiches Buch herausgekommen: „Der schräge Vogel fängt mehr als den Wurm“.

In knapp 30 kurzen Kapiteln erzählt Gisela Steinhauer darin von Menschen, deren Mut, Neugier und Aufbruchswillen sie beeindruckt haben. Sie schöpft dabei aus einem reichen Fundus an Begegnungen, der sich im Laufe eines erfolgreichen Journalistenlebens angesammelt hat. Seit vielen Jahren moderiert sie für den WDR Sendungen wie „Sonntagsfragen“ und „Tischgespräch“, bei denen keine Fragen offen bleiben.

„Was alles möglich und lebbar ist“

Ihre Erfahrung: „Je mehr Leute und Lebensentwürfe ich kennenlernte, desto mehr dehnte sich mein Fassungsvermögen aus. Ich erfuhr, was alles möglich und lebbar ist. Ich lernte, dass Einsamkeit für den einen eine Qual, für den anderen Glück bedeuten kann; dass Geld dem einen wichtig, dem anderen völlig egal ist.“   

Nun also erzählt sie von denen, „über die ich am meisten gestaunt habe“. Von Prominenten wie Günter Grass oder Hape Kerkeling. Und von weniger prominenten Persönlichkeiten. Von schrägen Vögel, die genau das tun, wovon so mancher, so manche von uns heimlich träumt.  Noch einmal neu anfangen, das alte Leben hinter sich lassen, auf Rente und Krankenversicherung pfeifen. Doch nur wenige haben den Mut, einen Neustart auf unbekanntem Terrain zu wagen.

Aus dem U-Boot in den Schamanismus

Uli Gottwald aus Solingen zum Beispiel ist so einer. U-Boot-Kommandant, Minensucher, 32 Jahre auf See. Mit 50 Jahren quittierte er den Dienst und widmete sich dem Schamanismus. Oder Jutta Brasch, 1958 in Dieburg geboren, Obermeisterin der hessischen Keramik. Sie ging nach Ägypten, wo sie seitdem Touristen durch die Wüste führt. Dort, in der Wüste, erzählt sie Gisela Steinhauer nach einem langen Marsch in sengender Sonne, habe sie als Katholikin zu etwas Göttlichem zurückgefunden und gelernt, den Begriff Gnade zu verstehen.

Allesamt sind es Mutmachgeschichten, die Gisela Steinhauer hier zusammengetragen hat, mit Empathie und Lust geschrieben. Vielleicht könne die ein oder andere ja eine Stütze beim Nachdenken über die Grundfragen sein, hofft die Autorin. Dem können wir uns nur anschließen. Auf dass die Schar der schrägen Vögel weiter wachse.

Petra Pluwatsch

Gisela Steinhauer: „Der schräge Vogel fängt mehr als den Wurm“, Westend Verlag, 268 Seiten, 18 Euro. E-Book: 14,99 Euro.    

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