Mit dem Zeug zum Kultkrimi: Sven Stricker lässt „Sörensen am Ende der Welt“ ermitteln

Nordfriesland ist das Revier, in dem Sörensen unterwegs ist: ziemlich feucht, ziemlich windig, überhaupt ziemlich viel Wetter dort. Foto: Bücheratlas

Zugegeben, Sörensen war mir durchgeflutscht. Erst der dritte Band von Sven Strickers wunderbarer Reihe – „Sörensen am Ende der Welt“ – erregte meine Aufmerksamkeit. Spätestens beim zweiten Kapitel hatte er mich dann: Sörensen, der Kommissar mit der Angststörung. Der mit dem struppigen Hund und dem exzentrischen Vater. Der Mann mit der biestigen Ex-Frau und den Schlafstörungen, die ihn hinaustreiben in die Dunkelheit.

Ruhelos in Katenbüll unterm Deich

Gerade hat er in Hamburg seine letzten Habseligkeiten zusammengepackt und ist – nicht ganz freiwillig – nach Nordfriesland gezogen. In Katenbüll, einem Kaff unterhalb des Deichs, hofft er zur Ruhe zu kommen und seine Angst in den Griff zu bekommen. Eine Illusion, wie sich schnell herausstellt. In der einzigen Tankstelle im Ort gab es Ärger, und dann findet Tankstellenbesitzer Töns Gregersen auch noch eine Leiche.

Ein Unfall oder Selbstmord sind ausgeschlossen: In der Brust von Hinnerk Hansen steckt ein Schraubenzieher. Der einzige Verdächtige ist verschwunden. Dass er knapp neun Monate zuvor die Tochter von Sörensens Kollegin geschwängert hat, macht die Sache nicht besser.

„Als ob das Leben nicht schon kompliziert genug wäre“

Sörensen fummelt sich ein in die unübersichtliche Geschichte. Der Tote gehörte zur Prepperszene, ein Verschwörungstheoretiker, der auf den Zusammenbruch der postmodernen Gesellschaft wartet. Wofür Sörensen, gelinge gesagt, wenig Verständnis hat. „Als ob das Leben nicht schon kompliziert genug wäre, da heben Sie den Finger und kommen mit irgendwelchen Verschwörungstheorien und die Ecke, und alle anderen, die nicht an fliegende Spaghettimonster glauben, sind entweder blöd oder böse.“  

In Katenbüll redet man so, wie einem der Schnabel gewachsen ist, und genau das macht unter anderem den Charme dieses Buches aus. Allein wegen der vielen Nonsens-Dialoge, die teilweise an die Grenze des Absurden gehen, lohnt sich die Lektüre. Political correctness ist nicht Sörensens Sache, er ist zudem mit einem erfrischend trockenen Humor gesegnet, der ihn seine eigenen Ängste und erst recht die Verrücktheiten seiner Mitmenschen mit einer gewissen Gleichmut ertragen lässt. Eine Krimireihe, die Kult werden könnte. Wenn sie es denn nicht schon längst ist.

Kleiner Tipp: Unbedingt die Verfilmung des ersten Bandes „Sörensen hat Angst“ mit Bjarne Mädel ansehen. Nicht, nur weil sie 2021 mit dem Deutschen Fernsehkrimi-Preis ausgezeichnet wurde.

Petra Pluwatsch

Sven Stricker: „Sörensen am Ende der Welt“, Rowohlt, 11 Euro. E-Book: 9,99 Euro.  

2 Gedanken zu “Mit dem Zeug zum Kultkrimi: Sven Stricker lässt „Sörensen am Ende der Welt“ ermitteln

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