Empfehlung vor dem Fest (2): Antje Deistler über das großartige Debüt „Nach vorn, nach Süden“ von Sarah Jäger

Jetzt kommen unsere Gäste zu Wort! 24 Persönlichkeiten, die der Buchwelt schreibend, unterstützend oder vorstellend verbunden sind, präsentieren jeweils einen Titel, der ihnen besonders am Herzen liegt. Mal sind es Neuerscheinungen und mal sind es Klassiker. Tag für Tag exklusiv auf dem „Bücheratlas“ – bis kurz vorm Tannenbaum.

Antje Deistler, geboren in Mülheim an der Ruhr, ist Leiterin des Literaturbüro Ruhr in Gladbeck, der Trägerorganisation des Netzwerks literaturgebiet.ruhr. Sie arbeitet zudem als Moderatorin bei Lesungen und arbeitet frei als Rundfunk-Journalistin für die ARD. Antje Deistler hat die WDR-Welle „Eins Live“ mit aufgebaut, gehörte vier Jahre der Jury der „Crime Cologne“ an und sitzt im Vorstand des Literaturrats NRW. Foto: Ingo Winkelströter

Nach vorn, nach Süden“ erzählt von einer ziemlich bunten Truppe von Jugendlichen und jungen Leuten. Manche machen gerade ihren Schulabschluss, andere wissen noch nicht, was sie für eine Ausbildung machen sollen oder haben angefangen zu studieren. Sie alle arbeiten als Aushilfen bei Penny und hängen in den Pausen, aber auch sonst, auf dem Hinterhof dieses Supermarkts ab. Ort: Das Ruhrgebiet und der Zwischenraum zwischen Kindheit und „Ernst des Lebens“.

Einer aus der Penny-Clique ist seit ein paar Wochen verschwunden: der beliebte Jo. Seine Freundinnen und Freunde machen sich auf die Suche nach ihm. In einem klapprigen Kleinwagen, der von einer jungen Frau gefahren wird, die diese Geschichte auch erzählt. Die wird von allen nur „Entenarsch“ genannt. Es beginnt ein rasantes Roadmovie zwischen zwei Buchdeckeln, mitreißend, tragikomisch, tiefsinnig.

„Nach vorn, nach Süden“ ist das großartige Debüt von Sarah Jäger, für das sie direkt bei Erscheinen den begehrten „Luchs Jugendbuchpreis“ bekommen hat, vergeben von Radio Bremen und der ZEIT.

Sarah Jäger ist Buchhändlerin in Essen. Sie hat aber auch schon in einem Call Center gearbeitet und danach eine Ausbildung zur Theaterpädagogin gemacht. Und diese Verbindung zum Theater, zum gesprochenen Wort, erkennt man. Sarah Jäger schreibt ganz wunderbar echte, glaubhafte und vor allem auch witzige Dialoge. Überhaupt schreibt sie sehr überzeugend aus der Sicht der Hauptfigur, dieser jungen Frau, die für die anderen nur Entenarsch heißt. Das liest sich, als würde einem alles, was da passiert, gerade ins Ohr geflüstert, so wie man halt spricht. Nur besser. Und als Radiojournalistin weiß ich, wie schwer es ist, so zu schreiben. Aber bei Sarah Jäger klingt jedes Wort ganz selbstverständlich und unangestrengt. Absolut meisterhaft.

Der Rowohlt Verlag hat „Nach vorn, nach Süden“ offiziell als Jugendroman gelabelt, „für Leserinnen und Leser ab 14 Jahren“. Über diese Kategorie bin ich weit hinaus, aber auch ich habe diese Geschichte mit größtem Vergnügen gelesen und lege sie Menschen jeden Alters wärmstens ans Herz. Vielleicht schenken Sie das Buch einfach Ihrem Teenagerkind zuhause – und leihen es sich dann aus. Fröhliche Weihnachten!

Antje Deistler

Sarah Jäger: „Nach vorn, nach Süden“, Rowohlt Verlag, 224 Seiten, 18 Euro. E-Book: 14,99 Euro.


  • Was bisher geschah

    Die 1. Empfehlung: Rafik Schami über Franz Hohler – HIER .

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