Finale auf den Shetland-Inseln: Ann Cleeves beendet mit „Was niemand sieht“ ihre erfolgreiche Krimireihe

Shetland

Ureinwohner auf den Shetland-Inseln Foto: Bücheratlas

Das Nachwort der Autorin lässt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Schluss, aus, Ende. „Was niemand sieht“ sei unwiderruflich der letzte Band ihrer Shetland-Krimiserie, schreibt Ann Cleeves auf den letzten Seiten ihres jüngsten Buches. Es folgt ein artiger Dank an alle, die sie dazu inspiriert und sie unterstützt haben.

Damit endet eine Erfolgsserie, die 2007 mit dem Krimi „Die Nacht der Raben“ ihren Anfang nahm. Ann Cleeves entführte ihre Leserinnen und Leser darin in die unwirtliche Welt der Shetland-Inseln, auf denen mehr Schafe als Menschen leben. Papageientaucher und Tölpel ziehen hier ihren Nachwuchs groß, und wer auf ein aufregendes Nachtleben scharf ist, der sollte zu Hause bleiben. Doch die vermeintliche Idylle entpuppte sich schnell als idealer Tatort für brutale Morde.

Ursprünglich war nur eine vier Folgen umfassende Reihe geplant, angelehnt an die vier Jahreszeiten, die als jeweiliger Handlungszeitraum dienten. Inzwischen ist die Shetland-Serie ob des großen Erfolgs auf das Doppelte angewachsen. Mehrere Folgen sind für das Fernsehen verfilmt worden, und auch der achte Band kommt so frisch und spannend daher, dass man sich fragt, warum es nicht weitergehen soll mit den Ermittlern Jimmy Perez und Willow Reeves.

Eine junge Frau wird erhängt in einer Scheune gefunden. Ein Selbstmord ist ausgeschlossen. Das Opfer war schon tot, als man es aufknüpfte. Doch wer war diese Emma Shearer, die auf den Inseln als Kindermädchen arbeitete? Niemand scheint die zurückhaltende junge Frau in den 50er-Jahre-Klamotten näher gekannt zu haben. Hübsch war sie, ein Vamp mit Berührungsängsten, der so manchem Mann den Kopf verdrehte. Allein ihre Biografie lässt ahnen, was für ein Mensch sich hinter der Fassade verbargt.

Cleeves beweist ein weiteres Mal ihr Gespür für psychologisch verzwickte Fälle und überzeugt mit einem guten Plot und einer schlüssigen Lösung.  Dazu kommt ganz viel Lokalkolorit. Die Autorin,  die auf dem Festland lebt, kennt sich gut aus mit der Mentalität der wortkargen Inselbewohner und schildert mit viel Liebe dieses abgelegene Inselreich mitten im Atlantik. Das macht Laune auf ihre Krimis und erst recht auf eine Reise zu den wilden Shetlands. Schirm nicht vergessen.

Petra Pluwatsch

Ann Cleeves: „Was niemand sieht“, dt. von Stefanie Kremer, Rowohlt, 428 Seiten, 11 Euro. E-Book: 9,99 Euro.

Shetland22

 

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