Martin Suters neuer Allmen-Bestseller: Ein Koi namens Boy

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Ein Koi wie Boy Foto: Bücheratlas

Johann Friedrich von Allmen würde sicher sagen, dass es genauso sein müsse: Ein Platz auf der Bestsellerliste ist für den Privatermittler eine Selbstverständlichkeit. So und nicht anders. Denn für Allmen, der einen sehr kostspieligen Lebensstil pflegt, kann nur das Beste gut genug sein. Allerdings darf man nach Lektüre des neuesten und sechsten Falles der Krimireihe feststellen, dass der Zuspruch nicht überraschend ist: „Allmen und der Koi“ ist so beschaulich und so ausgeruht erzählt wie noch kein Allmen-Band zuvor.

Worum es geht? Ein wertvoller weißer Koi-Karpfen mit einem roten runden Fleck ist gestohlen worden. Nicht irgendeiner, sondern „Boy“, den Garrett für über eine Million Dollar ersteigert und dann seiner Freundin geschenkt hat. Wer klaut denn so etwas? Und vor allem: Wer kann da helfen? Womöglich der Privatdetektiv aus der Schweiz, dessen Ruf nun schon über das Mittelmeer reicht. Im Privatjet wird Allmen („The Art of Tracing Art“) eingeflogen. Mit im Gepäck führt er acht Anzüge. Denn man weiß ja nie: Indoor oder outdoor, formell oder casual? Allein für das Sinnieren über den passenden Aufzug beziehungsweise den passenden Drink lohnt die Lektüre.

Martin Suter erweist sich abermals als Autor geschmeidiger Wohlfühl-Kriminalromane. Die Lektüre fordert nicht heraus, aber unterhält hübsch flauschig. Zwar legt Suter durchaus Wert auf den einen oder anderen verschlungenen Seitenpfad, um den Weg zur Aufklärung nicht schnurstracks gehen zu müssen. Doch die kriminelle Verwicklung und deren Aufklärung stehen nicht zwingend im Fokus des Erzählers. Bezeichnenderweise behält sich Suter diesmal den Clou seiner Geschichte nicht für die Lösung des Falles vor, sondern für das mutmaßliche Ende der wackeligen Beziehung zwischen dem schon tatterigen Popmusik-Produzenten Steve/Percival Garrett und seiner jungen Geliebten Akina, die sich auf einen Seitensprung mit Allmen einlässt.

Wer auf Nägelknabber-Spannung oder Feingesponnenes setzt, ist in Suters Krimilandschaft deplatziert. Hier geht es gemütlich zu wie einst bei den Ermittlungen von Hercule Poirot. Vom blutrünstigen Thriller ist die Reihe so weit entfernt wie Allmen von einem Auftritt in kurzen Hosen. Ja, es gibt bei Suter auch schon mal einen Schlag auf den Kopf eines Protagonisten. Doch so schnell bleibt da keiner endgültig auf der Strecke – schon gar nicht, wenn er Carlos heißt und als treuer Assistent des Privatdetektivs unersetzlich ist.

Suter siedelt seinen Roman diesmal auf Ibiza an. Dass der Autor dort einen Wohnsitz in schönster Höhenlage hat, mit Naturkost aus eigenem Anbau, merkt man auf jeder Seite. Äußerst dicht ist diesmal die Atmosphäre, angereichert mit ibizenkischen Details, wenngleich diese so dosiert sind, dass ihre Nennung niemals prahlerisch wirkt.

Was auffällt: Allmen räsoniert diesmal ein wenig übers Altern. Das ist durchaus untypisch für diesen „Gegenwartsmenschen“ und Schwerenöter. Allerdings wollen wir nicht glauben, dass sich hier das Ende einer Ermittler-Karriere ankündigen könnte. Dafür schnurrt die Reihe noch zu schön.

Martin Oehlen

http://www.ksta.de

Martin Suter: „Allmen und der Koi“, Diogenes, 216 Seiten, 22 Euro. E-Book: 18,99 Euro.

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