Harriet Tyce mit einem Knaller-Debüt: Anwältin Allison im Stress zwischen Kind und Karriere (plus einem Tatort-Tipp für London)

Temple

Wer in London einen Anwalt aufsuchen will, steigt nicht selten an dieser U-Bahn-Station aus. Foto: Bücheratlas

Irgendwann muss Harriet Tyce genug gehabt haben von der Juristerei. Und so hat die gebürtige Schottin sich hingesetzt und einen Krimi geschrieben:  „Blood Orange“. Der spielt genau da, wo sie sich am besten auskennt: im Temple-, also im Rechtsbezirk von London.  Und ist so gut, dass man kaum glauben mag, dass es sich um einen Debütroman handelt.

Ich-Erzählerin Allison ist Prozessanwältin wie die Autorin selbst.  Ehemann Carl versorgt daheim die Tochter, während die Enddreißigerin Karriere macht. Doch die Ehe ist längst eine Farce: Allison hat einen Liebhaber. Abends versackt sie mit den Kollegen in den Pubs der nahen Fleet Street und schläft schon mal betrunken in ihrem Büro ein.

Dennoch bekommt Allison ein Mandat, das die Erfüllung ihrer beruflichen Träume bedeutet. Sie darf eine Frau verteidigen, die des Mordes an ihrem Ehemann angeklagt ist. Was die Schuldgefühle gegenüber ihrer vernachlässigten Familie verstärkt.

Überzeugend schildert Harriet Tyce die Probleme erfolgreicher berufstätiger Frauen und Mütter, die sich aufreiben in dem Versuch, berufliche und familiäre Ansprüche unter einen Hut zu bekommen. Und vergebens auf das Verständnis ihrer Partner hoffen, die verbissen an ihren alten Denkmustern festhalten. Gut erzählt, psychologisch überzeugend. Und mit einem Knaller-Ende, das nicht zu erwarten stand.

Petra Pluwatsch

Tatort-Tipp

Wenn Sie schon einmal in London sind, dann schauen Sie doch mal im Temple-Bezirk, der Enklave der englischen Juristen vorbei. Sehen kann man hier zwischen Fleet Street und Themse-Ufer die Temple Church, berühmt geworden durch Dan Browns Bestseller „Sakrileg“, und einige wunderbare Gärten.

Speisen ist möglich im Restaurant „Pig and Goose“ in der ersten Etage des altehrwürdigen  „The George“ (213, Strand).  Außen Fachwerk, innen viel dunkles Holz. Und auf dem Teller Leckereien wie gegrillte Rote Beete mit einer Mousse aus Ziegenkäse. Vorsicht: Der Laden schließt um 22.15 Uhr.

Oder etwas weiter die Fleet-Street hoch im Bistro Café Rouge, gleich neben St. Paul’s, wo mitten am Tag ein Fuchs mit herausgestreckter Zunge die Straße querte. Hier kann man französisch speisen und dabei den Trubel vor der Tür beobachten.

Wohnen? Vielleicht im Apex Temple Court Hotel, einem Vier-Sterne-Haus an der Fleet Street (genauer: 1-2, Serjeant’s Inn). Vor dem Eingang steht ein grasgrüner Elefant, im Innenhof kann man unter weißen Sonnenschirmen einen Drink nehmen. (P.P.)

PS: Alles auf eigene Kosten getestet und recherchiert.

Harriet Tyce: „Blood Orange“, dt. von Kerstin Winter, Diana, 382 Seiten, 10,99  Euro. E-Book: 9,99 Euro.

Tyce

 

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