Ellen Sandbergs Kriminalroman kreist um die düstere Vergangenheit des „Schwanenhaus“


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Die Spur führt in die Vergangenheit. Foto: Bücheratlas

Geld kann ein Fluch sein,  erst recht, wenn Blut daran klebt. Eine Erkenntnis, der sich auch Bauzeichnerin Mona Lang nicht verschließen kann. Mona der „Gutmensch“, wie der Mann, der sie bald verlassen wird, gerne sagt. Mona mit dem eingebauten „moralischen Kompass“, die lieber einen Zug verpasst, als einem anderen Menschen ihre Hilfe zu versagen. Jetzt also hat Mona von Großtante Klara ein Haus in bester Münchener Wohnlage geerbt. Eben weil sie ein solcher Gutmensch ist. Sie solle das Richtige mit der Zwölf-Millionen-Immobilie tun, so posthum die Bitte der alten Dame.

Doch was ist das Richtige? Diese Frage steht im Zentrum von Ellen Sandbergs neuem Kriminalroman „Das Erbe“. Mona findet bald heraus, dass das „Schwanenhaus“ bis 1938 einer jüdischen Familie gehörte. Dann kaufte es Klaras Vater, der Staatsanwalt Ernst-Friedrich Hacker, „für einen Appel und ein Ei“, wie Monas Mutter bissig anmerkt. Die Parfümfabrik der Roths ging an einen strammen Nazi. Hat auch Hacker die Not der Familie Roth ausgenutzt? Eine Frage, die Mona keine Ruhe lässt.

Sie ist nicht die einzige, die Licht ins Dunkel der Vergangenheit bringen will. In Hamburg fällt der Putzfrau Sabine ein Tagebuch ihrer dementen Großmutter in die Hände. Aus dem geht hervorgeht, dass Oma ihrem Mann nach dem Krieg ein Kind untergeschoben hat, das kleine Karlchen. Und dann gibt es da noch den attraktiven Tim, der auf der Suche nach seiner verschollenen Großmutter ist. Deren Spur sich 1949 ausgerechnet im Schwanenhaus verliert.

Es dauert eine Weile, ehe alle Erzählstränge in diesem Krimi zusammenlaufen. Immer wieder springt Ellen Sandberg zurück in die Vergangenheit und wechselt die Erzählperspektive. Das ist geschickt gemacht und liest sich spannend, auch wenn die Lösung letztendlich keine Überraschung ist. Die Autorin hat sich keinen leichten Stoff vorgenommen, das Thema jedoch gut gemeistert. Der intensiv recherchierte Roman beleuchtet eines der dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte, ein Anhang informiert über die Judenverfolgung im Nationalsozialismus und die Rückerstattung von Immobilien, die ihren jüdischen Besitzern von den Nazis weggenommen worden waren.

Petra Pluwatsch

Ellen Sandberg: „Das Erbe“, Penguin, 504 Seiten, 15 Euro. E-Book: 9,99 Euro.

Sandberg

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