Hegel in der „außergewöhnlichsten Studentenbude“ und im „hochkarätigsten Seminar“ aller Zeiten

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Klaus Vieweg hat seine Hegel-Biografie auch auf der Frankfurter Buchmesse vorgestellt. Foto: Bücheratlas

Heute schon Hegel gelesen? Nein? Nun, das könnte jetzt in Mode kommen. Denn im kommenden Jahr wird des 250. Geburtstags des Philosophen gedacht werden. Und schon liegt eine monumentale Biografie des Mannes vor, der 1770 in Stuttgart geboren wurde und 1831 in Berlin gestorben ist. Klaus Vieweg, der in Jena philosophiert lehrt, widmet sich Leben und Werk des großen Schwaben und wird nicht müde, den Denker zu preisen.

Anschaulich macht Vieweg bekannt mit den Lebenswegen des „Großmeister(s) der neuzeitlichen Philosophie“. Der lebte in wahrhaft bewegten Zeiten. Jedes Jahr soll Georg Wilhelm Friedrich Hegel am 14. Juli ein Glas Champagner auf die Französische Revolution getrunken haben, dessen Zeitzeuge er war. Und die Liste der Größen, die er kennenlernte, ist enorm – Goethe und Schiller inklusive. Auch würdigt Vieweg die „außerordentliche Konstellation“ des Jahres 1790, als Hegel mit Friedrich Hölderlin und Friedrich Wilhelm Joseph Schelling in Tübingen „die außergewöhnlichste Studentenbude aller Zeiten“ bewohnte. Und noch mehr feiert er Jena, das „Saale-Athen“ in damaliger Zeit, als den Ort, an dem Hegel und Schelling „das wohl hochkarätigste Seminar der Philosophiegeschichte“ geleitet haben. An Superlativen mangelt es hier wahrlich nicht.

Den Menschen Hegel bringt uns Vieweg anschaulich nahe. Mit dessen Philosophie ist es da aus naheliegenden Gründen schon etwas schwieriger. Klar, der „Philosoph der Freiheit“, wie er im Untertitel genannt wird, gibt wenige Rätsel auf: „Philosophieren heißt, frei leben zu lernen“. Und wer philosophiert, der weiß mit Hegel auch, dass der Despotismus alle Quellen des Lebens und Seins vergiftet. Aber wenn Vieweg etwas tiefer in die komplexe Gedankenwelt einsteigt, wird der Nachvollzug sehr fordernd. Da stößt der Leser auf das Problem, von dem es heißt, es sei ein Grundproblem der Philosophie – das „der Klarheit und Verständlichkeit in der Darstellung“.

Erfrischend ist Viewegs Stil. Der neigt auch mal zu Witz und Kernigkeit: „In Jena wird Hegel zu Hegel.“ Einige Redundanzen gibt es. Die Lieblingsweine des Philosophen, der diese angeblich für ein paar zündende Ideen benötigte, nennt er am Anfang wie gegen Ende (eine Liste gibt es HIER). Und dass die „Phänomenologie des Geistes“ ein „Jahrtausendwerk“ sei, betont der Biograf vielfach.

Klaus Vieweg ist von seinem Hegel begeistert, das ist schon klar. Doch zum Glück überträgt sich die Begeisterung des Autors für das intellektuelle Kraftpaket auch auf die Leser seiner Biografie.

Martin Oehlen

Klaus Vieweg: „Hegel – Der Philosoph der Freiheit“, C. H. Beck, 826 Seiten, 34 Euro. E-Book: 28,99 Euro.

Hegel

 

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