Dror Mishanis Kriminalroman „Drei“ ist ein trickreiches Verwirrspiel

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Am Strand von Tel Aviv Foto: Bücheratlas

Ob Avi Avraham, der melancholische Ermittler in Cholon-Ayalon, ausgedient hat, das wird man den Autor selber fragen müssen. Fakt ist: Dror Mishanis neues Buch „Drei“  kommt gänzlich ohne den „melancholischen Sturkopf“ aus. In drei Krimis hat Avraham die Hauptrolle gespielt. Und den israelischen Übersetzer und Literaturdozenten Mishani zum bekanntesten Kriminalschriftsteller seines Landes gemacht.

„Drei“, verrät der Autor in einem Gespräch mit seinem Verlag, verdanke seine Existenz einer Flugreise. „Ich saß in einem Flugzeug und hatte plötzlich diese Idee im Kopf: ein Roman rund um ein Verbrechen in drei Teilen, mit drei weiblichen Hauptfiguren und drei ganz unterschiedlichen Leseerfahrungen.“ Nach der Landung habe die Struktur des Krimis „gestanden“. Und er habe gewusst, dass dieses Buch sein nächster Roman sein würde.

In Israel wurde „Drei“ enthusiastisch gefeiert, „als ginge es um die neueste Staffel von ‚Game of Thrones‘“, konstatierte ein verblüffter Rezensent. Den Autor überrascht das nicht. Er habe bereits während des Schreibens gespürt, dass dieses Buch und seine drei weiblichen Hauptfiguren mehr Leser ansprechen würden als seine vorherigen Romane. „Ich hatte dieses Bauchgefühl, dass ich das richtige Tempo, den richtigen emotionalen Tonfall gefunden hatte.“ Sein Bauchgefühl hat ihn nicht getrogen. Mishanis vierter Roman besticht durch einen klugen Aufbau, Dialoge, die sitzen, und – das vor allem – durch drei Protagonistinnen, die das Herz berühren.

Im Zentrum des Romans steht der Rechtsanwalt Gil. 42 Jahre alt, verheiratet, zwei Kinder. Dennoch sucht er in einem Dating-Portal nach Kontakten. Und stößt auf Orna, eine verunsicherte alleinerziehende Mutter, die erst vor einem Jahr von ihrem Mann verlassen wurde. Aus den ersten, gelegentlichen Treffen entwickelt sich eine Beziehung, die von Täuschungen und Unwägbarkeiten begleitet wird. Bis Gil sie nach ein paar Monaten auf seine Weise beendet.

Sein nächstes Opfer ist Emilia, eine Altenpflegerin aus Riga. Sie hat Gils Vater bis zu dessen Tod gepflegt. Jetzt kümmert sie sich um eine garstige alte Dame in einem Seniorenheim und ist froh, dass sie nebenbei Gils Wohnung putzen darf. Auch aus dieser Begegnung entwickelt sich eine vorsichtige Liebesgeschichte mit ungutem Ausgang. Man möchte sie in den Arm nehmen und vor ihren eigenen Erwartungen warnen, diese unsichere, nicht mehr junge Frau. Verängstigt tappt sie durch eine Welt, deren Sprache sie nicht versteht, und sucht ausgerechnet Halt bei einem Mann, der ihr Schicksal werden soll.

Erst die dritte seiner Affären wird Gil zum Verhängnis. Mit der Begegnung von Gil und einer weiteren Frau namens Orna beginnt ein trickreiches Verwirrspiel, das erst auf den letzten Seiten aufgelöst wird. Ein Experiment nennt der Autor selber seinen Roman. Ein Experiment, wie es besser nicht hätte laufen können.

Petra Pluwatsch

http://www.ksta.de

Lesungen mit Dror Mishani

in Köln im Rahmen der Crime Cologne am 25. September 2019, 19.30 Uhr, Synagogengemeinde Roonstraße,

in Wien am 15. Oktober,

in Salzburg am 8. November,

in Basel am 10. November.

Dror Mishani: „Drei“, dt. von Markus Lemke, Diogenes, 336 Seiten, 24 Euro. E-Book 20,99 Euro.

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