Reise ans Ende der Welt (9): Burgos, das Buchmuseum und die älteste Buchhandlung Spaniens

Dies ist eine Reise ans Ende der Welt und wieder zurück. Durchs Elsaß, die Auvergne und Aquitanien, durch  Spaniens starken Norden übers Baskenland und Galicien bis nach Finis terrae, dann zurück über die Provence und den Kanton Freiburg. Sächliches und Nebensächliches in loser Folge.

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Blick in die Mittelalter-Abteilung des Museo del Libro  Foto: Bücheratlas

Das Museo del Libro in Burgos ist nicht das größte Museum der Welt. Es ist nicht einmal das größte Buchmuseum der Welt. Trotz seiner vier Etagen. Es liegt versteckt in einer Verbindungsgasse zwischen Plaza Mayor und Kathedralen-Platz.

Erst einmal geht es in den Fahrstuhl, denn der Zeitstrahl startet im obersten Stockwerk. Hier lehren uns die Sumerer, was ihnen die schreibende Welt zu verdanken hat. Von da an geht’s bergab, aber im Grunde bergauf – zu römischen Wachstafeln, mittelalterlichen Skriptorien, neuzeitlicher Gutenberg-Revolution und zeitgenössischem Tablet. Dann wird noch  der Lokalheld gefeiert: El Cid und seine vielfältige Rezeption in Comic, Film, Bühnendrama und Geschichtsschreibung. Und schon steht man wieder auf der Straße.

Hinter alledem steht ein spanischer Verlag, der Reproduktionen wertvoller Schriften anbietet. Nur einige wenige Originale sind im Museo ausgestellt. Aber es bleibt der Eindruck, dass in aller Kürze und mit einiger Liebe die Geschichte des Buches von der Keilschrift an erzählt wird.

Seit rund zehn Jahren gibt es diese Einrichtung, meint die allergisch verschnupfte junge Dame an der Kasse. Sicher ist sie allerdings nicht. Doch dass sie nicht allergisch ist gegen Bücher, sondern gegen Pollenflug, glauben wir sofort. Fünf Euro kostet der Eintritt.

Burgos ist kein schlechter Ort für so ein Museum. Auch wenn es noch so klein ist.  Immerhin soll hier die älteste Buchhandlung Spaniens stehen. Auf der Eingangstür der „Hijos de Santiago Rodriguez“ steht es geschrieben: seit 1850. Das Innere freilich ist keineswegs auf „alt“ getrimmt, sondern sieht modern bis nüchtern aus. Im Angebot nicht nur Literatur, sondern auch Beiwerk und sogar eine Handtaschen-Kollektion. Noch 2018 residierte die Buchhandlung an der Plaza Mayor, aber musste sich dann aus ökonomischen Gründen, so stand es in der „Tribuna Burgos“ geschrieben, verkleinern und residiert nun in der Calle Avellanos.

Wohler fühlen wir uns in der Buchhandlung Vida & Luz in der Calle de Lain Calvo. Das Transportfahrrad steht vor der Türe. Leicht bergab geht es hinein in ein behagliches Bücherrefugium. Klein, eng. Eine Empore für die, die schwindelfrei sind. An der Rückwand sitzt ein älterer Herr und liest die Tageszeitung „Diario de Burgos“. Wir spekulieren, aber wissen es nicht, dass er der Altbesitzer ist. Die Jungen, ein Mann am Schreibtisch in einer Nische und eine Frau an der Kasse am Eingang, sind mit dem Auspacken von Bücherkartons befasst. Sie schmeißen den Laden. Der ist gut sortiert. Auch international. Houellebecq in dritter Auflage. Julian Barnes. Läckberg. Im Innenhof, durch eine Scheibe einsehbar, eine Wandinschrift: ein Zimmer ohne Bücher sei wie ein Körper ohne Seele, soll so oder so ähnlich Cicero gesagt haben.

Auch das noch

Selbstverständlich ist das der Top Act der Stadt: Die Kathedrale Santa Maria. Auch wer schon viel gesehen hat, wird hier ins Staunen kommen. Geschaffen wurde all das unter anderem von den aus Köln angereisten Baumeistern Hans und Simon. Es gibt Überraschendes und Schönes in fast jeder Nische und in jeder Kapelle. Legendär die „Goldene Treppe“, faszinierend die Decken, die wie Spitzenbordüren wirken. Eher ein Fall für die spanische Nationalseele:  das Grabmal von El Cid an zentraler Stelle. Und wenn man meint, am Ende der Visite angelangt zu sein, wartet noch das Kathedralen-Museum. Groß!

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Himmlische Aussichten in der Kathedrale Santa Maria von Burgos  Foto: Bücheratlas

Übernachten

*** Das NH Hotel Palacio de Burgos (ehedem Palacio de la Merced) bietet komfortables Wohnen in gotischem Gemäuer. Das Tor zur Altstadt ist nur wenige Meter entfernt, die Kathedrale gleich dahinter.

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Foyer des Palacio de Burgos Foto: Bücheratlas

**** Die Posada Real Casa de Tepa in Astorga erwähnen wir für diejenigen, die die Weiterfahrt nach Santiago de Compostela stückeln oder noch in Leon vorbeischauen wollen, was sich lohnt. Das Hotel hat uns äusserst gut gefallen. Ein historisches Gebäude mit historischem Mobiliar, in dem schon Politik gemacht wurde. Unser Zimmer war Manuel García Prieto gewidmet, der mehrfach spanischer Ministerpräsident war und in diesem Gebäude seiner Heimatstadt auch einmal eine Konferenz abgehalten hatte. Die Salons im ersten Stock stehen den Gästen offen, zudem die Bibliothek. Auch gibt es einen schönen Innenhof. All das in sehr kurzer Distanz zur Kathedrale Santa Maria und zu dem von Antoni Gaudí entworfenen Bischofspalast, den aber nie ein Bischof bewohnt hat.

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Die Salons im ersten Stock der Posada Real Casa de Tepa Foto: Bücheratlas

PS: Alle Übernachtungs-Tipps sind ohne Kenntnis oder gar Unterstützung der betroffenen Unterkünfte recherchiert und verfasst worden. Die Wohlfühl-Sterne: * ordentlich ** gut *** sehr gut **** überragend ***** außergewöhnlich.

Martin Oehlen

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