Reise ans Ende der Welt (8): Die Bühne vor der Bar La Pista in Arnedillo

Dies ist eine Reise ans Ende der Welt und wieder zurück. Durchs Elsaß, die Auvergne und Aquitanien, durch  Spaniens starken Norden übers Baskenland und Galicien bis nach Finis terrae, dann zurück über die Provence und den Kanton Freiburg. Sächliches und Nebensächliches in loser Folge.

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Hinweis an der Hauptstraße von Arnedillo: Kellner kreuzen die Fahrbahn. Foto: Bücheratlas

Der Morgen ist noch jung, die Sonne scheint, die Avenida del Cidacos ist leer. Fast leer. Ein kleiner Lieferwagen hält, hupt zweimal kurz. Entspannten Schrittes schlendert eine Kellnerin aus der Bar Campus am Ortseingang von Arnedillo, auf deren Terrasse wir frühstücken. Ein kurzes „Hola!“. Dann nimmt sie die drei Tageszeitungen in Empfang, die ihr der Fahrer bei laufendem Motor aus dem Autofenster reicht. Schon geht sie weiter, die ruhige Fahrt. Die Kellnerin lässt die Zeitungen auf den Tresen fallen, ruckelt am Kaffeeautomaten, und als sie einem Kunden das nächste Morgenbier serviert, hört man den Boten schon bei der nächsten Station hupen.

Die Bars an der Durchfahrtstrasse von Arnedillo  – an mindestens drei können wir uns erinnern –  sind ganztags geöffnet. Erste Adressen für alle – für Rasta-Fans und Baskenmützenträger, für ein Croissant a la plancha, einen Cortado oder eine Caña. Auf der konkurrierenden Terrasse der Bar (nebst Retaurante) La Pista haben wir das Tagesmenue genommen. Nie eine schlechte Wahl. Gestenreich informiert uns der Kellner, dem eine Heiserkeit übel mitspielt, dass der Wein so lange fließe wie wir es wollen. Alles inklusive.

Auch das Theater des Lebens, das man hier in aller Ruhe beobachten kann, ist lohnend. Das Surren der Fahrradreifen jener, die sich sportlich durch die sanfte Hügelwelt bewegen. Die aufjaulenden Busse der Firma Jiménez, die Schulkinder transportieren. Oder die schiere Lautlosigkeit eines Elektrofahrzeugs, mit der der Verwalter (oder Besitzer?) der schönsten Unterkunft im Ort vorübergleitet (ja, dazu mehr beim Stichwort „Übernachten“). Freunde, die sich begrüßen, Lieferanten, die schwitzen, ein gelegentlich keifendes altes Ehepaar auf der Steinbank an der gegenüberliegenden Häuserfront, eine junge Frau, die die Rollläden hochzieht, nachdem die Hitze nachgelassen hat.

Uns fehlte allein der Local Hero, der mit dem Moped auf- und abjagt wie im gleichnamigen Film von Bill Forsyth. Großes Kino.

Auch das noch

Arnedillos ursprüngliches Zentrum, mit romanischer Kirche und einigen Thermalquellen, liegt ein paar Gassen weiter unten. Kaum ahnt man etwas von diesem Idyll. Nicht dort oben, wo die  Versorgungsader des Ortes schlägt. Auch gibt es gleich beim Flussufer einen Tunnel, in dem das Licht angeht, wenn man ihn betritt. Wohin er führt, haben wir erst einmal nicht herausgekriegt. Der Hinweis, dass es bis Herce acht Kilometer und 90 Minuten zu Fuß seien, hat uns eher irritiert. Nach fünf unterirdischen Gehminuten von Kurve zu Kurve haben wir die Erkundung abgebrochen. Wir wollten ja nicht den Tag im Tunnel verbringen. Nachher weiß man mehr. Der Tunnel gehört zu einem rund 30 Kilometer langen Radweg in sanfter Hügellandschaft, der auf einer ehemaligen Bahntrasse angelegt worden ist. Er hätte uns am anderen Ende des Ortes wieder ausgespuckt.

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Der sehr spezielle Tunnel unter der Stadt  Foto: Bücheratlas

Übernachten

*** Las Pedrolas, eine sogenannte „Casa rural“, steht im Herzen der ruhigen Altstadt von Arnedillo. An der Plaza Félix Merino neben Rathaus und Kirche. Ein historisches Gemäuer, angeblich aus dem Jahre 1760.  Mit vielen originellen Ausstattungsstücken, mit Telefon und Radio aus scheinbar (ich wiederhole: scheinbar) vorchristlicher Zeit. Die Türen schließen etwas lauter als in einem Hotel. Und die Türe zur Toilette wollte sich gar nicht fest schließen lassen. Aber das war wohl nur eine momentane Schwäche. Alles in allem alles äußerst gepflegt. Sehr empfehlenswert. Wenn wir noch einmal in der Nähe wären, dann gälte dieser Unterkunft die erste Überlegung.

Alle Übernachtungs-Tipps sind ohne Kenntnis oder gar Unterstützung der betroffenen Unterkünfte recherchiert und verfasst worden. Die Wohlfühl-Sterne: * ordentlich ** gut *** sehr gut **** überragend ***** außergewöhnlich.
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Ganz in Weiß – die Fassade der Unterkunft Las Pedrolas.  Foto: Bücheratlas

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