Reise ans Ende der Welt (6): Die Euskara-Abteilung in der Liburudenda San Sebastian

Dies ist eine Reise ans Ende der Welt und wieder zurück. Durchs Elsaß, die Auvergne und Aquitanien, durch Spaniens starken Norden übers Baskenland und Galicien bis nach Finis terrae, dann zurück über die Provence und den Kanton Freiburg. Sächliches und Nebensächliches in loser Folge.

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Die baskische Abteilung in der Buchhandlung Hontza Foto: Bücheratlas

Die Euskara-Abteilung ist eine Rarität. Es gibt weltweit nur wenige Buchhandlungen, die sie aufbieten. Zu denen, die sich eine solche Abteilung leisten, gehört Hontza in San Sebastian (der keineswegs preiswerten Schönheit an der Playa de Concha). Euskara ist die baskische Bezeichnung für die baskische Sprache. Tendenziell acht Quadratmeter mit Titeln auf Baskisch bietet die Buchhandlung an, die sich gleich hinter dem Theatergebäude Victoria Eugenia befindet. Darüber hinaus gibt es hier das, was man in einem gut sortierten spanischen Buchladen erwarten kann. Aber eben auch dieses sehr spezielle Sortiment.

Rund eine Million Menschen sprechen baskisch. Wollen wir mal durchzählen? Also: Bat, bi, hiru, lau, bost, sei, zazpi, zortzi, bederatzi, hamar – damit wären wir bei der Ziffer 10 angekommen und hören auf, mit dem angelesenen Wissen zu prahlen. Das Baskische ist älter als das Spanische und hat nach unserem Eindruck besonders viele x und z zu bieten. Vor allem aber soll es mit keiner bekannten Sprache verwandt sein. Also „isoliert“. Das ist ein Alleinstellungsmerkmal par excellence.

Diese Sonderrolle wollen manche Basken immer noch ins Politische gewendet wissen. Einschlägige Unabhängigkeits-Parolen finden sich an Hauswänden – gerade auch jenseits der Zentren. Im baskischen Arrasate beziehungsweise im spanischen Mondragón, eine halbe Autostunde entfernt von Bilbao, hat sich daraus nahezu eine Streetart entwickelt – mit eindrucksvoll besprayten Häuserwänden. Was den jeweiligen Parolen-Inhalt angeht, müssen wir allerdings mangels Durchblick auf eine Wertung verzichten.

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Wandmalereien in Arrasate-Mondragón Foto: Bücheratlas

Man müsste halt Baskisch verstehen. Es lohnt sich gewiss. Denn wer dieser Sprache kundig ist, findet ja auch einigen Lesestoff in der autonomen Region im Norden Spaniens. Beispielsweise in San Sebastian, das auf Baskisch Donostia heißt, in der Liburudenda Hontza.

Auch das noch

In den Bars von San Sebastian dominieren nicht Tapas, sondern die Sonderform der Pinchos (oder auf baskisch: Pintxos). Deren Eigenart ist es, an kleinen Holzspießen ihre Aufwartung zu machen, mit denen die jeweilige Speise auf Weißbrotscheiben fixiert wird. Zuweilen kommt es zu ambitionierten Turmbauten aus Meeresgetier und Schinken, Käse und Paprikaschoten. Auch in warmer Variante oder à la carte. Den Teller füllt man selbst. Aber Achtung: es ist wie beim Schachspiel – berührt, geführt! Wer einen Happen angehoben hat, darf ihn nicht zurücklegen. Es werden auch Touren zu ausgewählten Bars angeboten. Doch solche Hilfestellung ist bei all den touristenkundigen Kellnern nicht nötig.

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Bei der Zubereitung von Pinchos bzw. Pintxos gibt es kein Kreativitäts-Limit. Foto: Bücheratlas

Übernachten

** Das One Shot Tabakalera House ist ein Hotel im Kulturzentrum am Rand der Altstadt. Durch die Bahnhofsunterführung und über die Brücke – schon steht man sozusagen vor der Kathedrale und hat es bis zu den Pinchos-Bars der Altstadt nur noch zehn Gehminuten weit. Hilfreich-freundliches Personal, das uns gleich, da hatten wird noch nicht Buenos Dias gesagt, auf Deutsch begrüßt. Enttarnt. Stylisch interpretierte, nüchtern wirkende, sehr hohe Räume in Schwarz und Weiß und Kupferrot. Im Foyer kann man auf Schaukeln, die an langen Seilen hängen, die ausgelegte Lektüre sondieren. Sehr teures Parken im Parkhaus trotz Hotel-Rabatts, drei Gehminuten entfernt.

Alle Übernachtungs-Tipps sind ohne Kenntnis oder gar Unterstützung der betroffenen Unterkünfte recherchiert und verfasst worden. Die Wohlfühl-Sterne: * ordentlich ** gut *** sehr gut **** überragend ***** außergewöhnlich.
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Links geht’s ins Hotel, rechts ins Kulturzentrum. Foto: Bücheratlas

Martin Oehlen

 

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