Martin Böttcher, 1927 – 2019

Der Schauspieler Pierre Brice schrieb einmal in einem Brief, den er in seiner Autobiografie veröffentlicht hat, an die Produzentin Regina Ziegler: „Auf keinen, gar keinen Fall die Musik von Martin Böttcher aufgeben. Das wäre ein fataler Fehler.“ Winnetou wusste, dass der Soundtrack des Komponisten  einen enormen Anteil am Erfolg der Karl-May-Verfilmungen hatte. 50 Prozent? Mehr? Weniger? Jedenfalls weitete sich der Prärie-Horizont deutlich über das kinoverträgliche Cinemasope-Format, sobald Böttchers Musik aufblühte und anschwoll. Der deutsche Morricone führte den Taktstock des euphorischen Wohlbehagens, wenn der Wilde Westen in Kroatien auferstand, die Pferde fröhlich wieherten, Lex Barker sein Zahnweiß zeigte und Pierre Brice edel lächelte wie es nur ein Apachen-Häuptling vermag.  So viel landschaftlich-mentale Offenheit war selten. Nun ist Martin Böttcher, der die Musik zu über 50 Kinofilmen und noch mehr Fernsehproduktionen geliefert hat, im Alter von 91 Jahren gestorben.

Martin Oehlen

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