Helge Malchow schildert Bettina Böttinger den Königsweg

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Helge Malchow am Ende des Gesprächs mit Bettina Böttinger im Alten Pfandhaus in der Kölner Südstadt. Fotos: Bücheratlas

Es ist das Ende einer Ära. Aber gleichzeitig gilt: Niemals geht man so ganz. So steht Helge Malchow, wenn er zum Jahresende die Leitung bei Kiepenheuer & Witsch an Kerstin Gleba übergeben wird, dem Verlag weiter als „Editor at Large“  unterstützend zur Seite. Das erläuterte er noch einmal im Alten Pfandhaus in der Kölner Südstadt, wo er auf Einladung des Literaturhauses von Bettina Fischer begrüßt und von Bettina Böttinger befragt wurde.

Ein Verleger sei nicht zuletzt  ein  „Propagandachef“ für die Bücher, sagte Malchow  im voll besetzten Halbrund, darunter  viele KiWi-Mitarbeiter und  -Autoren. Und getreu diesem Motto flocht er manche Lese-Empfehlung aus dem  Verlags-Sortiment ein: Vom „Leitfaden für britische Soldaten in Deutschland  1944“ bis zum autobiographischen Roman „Böse Schafe“ von Katja Lange-Müller.

Auf den Leitfaden sei er im Übrigen von Christian Kracht aufmerksam gemacht geworden, der das Werk des britischen Außenministeriums auf einem Flohmarkt entdeckt hatte. Bei einem Besuch an Krachts italienischem Wohnsitz habe er die Rarität entdeckt, sagte Malchow, und präzisierte dann, dass sich der magische Moment kurz vor der Bettruhe ereignet habe. Aus dem Leitfaden wurde 60 Jahre nach Veröffentlichung der Originalausgabe ein Bestseller in deutschen Landen. Kurioserweise auch noch einer, dessen Rechte für wenig Geld  gesichert werden konnten, weil in England bei der Anfrage niemand eine Vorstellung gehabt hatte, was an dieser Deutschlandkunde aus alter Zeit interessant sein könnte.  Daher noch einmal zurück zu Christian Kracht: „Viele Autoren empfehlen Autoren“, sagte Malchow, „das ist überhaupt der Königsweg.“

Ein Abend reich an  Anekdoten und Ansichten war das. In dessen Verlauf  kam manch  Grundsätzliches zur Sprache. Zumal Bettina Böttinger zum Glück auch Fragen stellte,  die in dieser Runde womöglich alle Zuschauer schon für beantwortet gehalten hatten. Also auch diese Frage: Warum überhaupt Romane lesen? Helge Malchow riss da erst einmal  die Augen auf und wippte in seinem Stuhl. Um dann alles Wesentliche zum Thema zu sagen. Dafür gab es Szenen-Applaus. Ein Roman, so fassen wir das jetzt mal grob zusammen, könne mehr Aufschlüsse über Lebensverhältnisse liefern als beispielsweise ein „Spiegel“-Artikel.  Und dann noch etwas tagesspezifischer zum Stand der Roman-Nachfrage: Dass Fiktionen, bei denen ein autobiografischer Hintergrund leuchte, derzeit im Trend liegen, sei Ausdruck einer Sehnsucht nach dem Authentischen.

Auch  des Verlegers Einschätzung, geäußert im Interview mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“, dass im Rheinland „nicht gerne scharf gedacht“ werde, wurde von Bettina Böttinger angesprochen: „Da musst Du jetzt durch!“ Malchow reagierte zügig: „Ich nehme alles zurück!“ Was natürlich ein Scherz war. Diese Reaktion nämlich, sagte er, wäre eine typisch kölsche. Also nicht die zwingend die seine. Um dann noch darauf zu verweisen, dass er im zitierten Interview auch viele positive Aspekte des rheinischen Wesens erwähnt habe. Stimmt.

Martin Oehlen

http://www.ksta.de

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