Christoph Gottwald, der Pionier des Köln-Krimis, holt Manni zurück an den Rhein

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Wenn er nachts nicht schlafen kann, treibt sich Manni im Berliner Schienennetz herum.         Foto: Bücheratlas

Manni Thielen ist wieder in Köln.  Etwas zerrupfter als bei seiner Flucht vor mehr als 20 Jahren, mit zerschossenem Knie und schneeweißen Haaren, ansonsten aber putzmunter.  1984 betrat der Kölner Zocker und Gelegenheitsdetektiv die deutsche Krimiszene – und schrieb   gleich Geschichte. „Tödlicher  Klüngel“ aus der Feder   des Journalisten, Schriftstellers und Drehbuchautors  Christoph Gottwald erschien  mit dem   überraschenden Hinweis  „Köln Krimi“. Die Klüngelstory  aus dem Hause Emons war damit der erste Regionalkrimi auf dem deutschen Buchmarkt. Seitdem boomt das Genre.  Und Vorreiter Manni Thielen verschwand bald wieder in der Versenkung.

Zwei weitere Köln-Krimis schrieb Gottwald. Dann war 1994 Schluss. Manni nietet – in „Marie, Marie“ – zwei Kölner Unterweltgrößen um, nachdem er sich ordentlich verzockt hat,  und   flieht mit einem Sack voller Geld Richtung Osten.  Danach verliert sich die Spur.  Was   Manni in den nächsten Jahren trieb, verrät  der gerade erschienene vierte Band der Reihe: „Melatenblond“.

Manni heißt jetzt Karol und besitzt einen polnischen Pass. Offiziell ist er vor ein paar Jahren gestorben. Kein Hahn kräht mehr nach dem gesuchten Doppelmörder aus Köln, der  in einer kleinen Butze in Berlin lebt und sich die Nächte in der Berliner Ringbahn um die Ohren schlägt. Nacht für Nacht ist Manni unterwegs, ein um den Schlaf Gebrachter, den Alpträume heimsuchen und Knieschmerzen quälen.  Doch die Vergangenheit lässt ihn nicht los. Als eines Nachts eine junge Frau, mit der er kurz zuvor ein paar Worte gewechselt hat, ermordet wird, gerät er unter Verdacht. Manni flieht aus Berlin. Und landet in Köln, in seiner alten Heimat, in der nicht nur  Barfrau Rita in die Jahre gekommen ist.

Vergangenheit und Gegenwart gehen in „Melatenblond“ eine gelungene Melange ein. In zahlreichen  Rückblenden wird Mannis Leben seit seiner Flucht aus Köln aufgedröselt. Gleichzeitig rutscht der angezählte Endfünfziger in eine neue schlimme Geschichte, in der das Leben seiner Tochter Marie ein weiteres Mal in Gefahr gerät.

Gottwald siedelt die Handlung mitten in Köln an. Fast könnte man seinen  Roman als  Reiseführer zweckentfremden: Da wird jede Ecke in Nippes genau beschrieben, Restaurants, Hotels  und Kneipen werden genannt. Ein Regionalkrimi durch und durch also,  der eine bis zur letzten Seite spannende Geschichte  erzählt.

Petra Pluwatsch

http://www.ksta.de

Christoph Gottwald: „Melatenblond“, Emons,  12,90 Euro. E-Book: 9,49 Euro.

Gottwald

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