Jan Weilers zweite Karriere als Krimiautor

 

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Ausschnitt des Covers zum Krimi (1) Foto: Piper

Bekannt wurde der Journalist und Schriftsteller Jan Weiler durch eher heitere Romane wie „Und ewig schläft das Pubertier“ und „Maria, ihm schmeckt’s nicht“. Mit „Kühn hat zu tun“ begann 2015 Weilers zweite Karriere als Krimiautor. Die Kritiker priesen den Roman als „psychologisches Kabinettstück“, die geneigte Leserschaft verhalf ihm auf Anhieb zu einem respektablen Platz auf den Bestsellerlisten.

Jetzt ist der zweite Band der Reihe erschienen: „Kühn hat Ärger“. Amir, ein 17-Jähriger mit libanesischen Wurzeln, aufgewachsen im wenig feinen Münchner Stadtteil Neuperlach und auf dem Weg zum Intensivtäter, verliebt sich „krachend“ in ein Mädchen aus gutem Hause: die 16-jährige Julia van Hauten. Kann eine solche Verbindung gut gehen? Natürlich nicht. Eines Morgens wird Amir erschlagen „wie eine Ratte“ an einer Straßenbahnhaltestelle gefunden. Er hat zahlreiche Verletzungen, darunter Verbrennungen an den Genitalien. Julia wird von den Eltern in aller Eile in ein schottisches Internat abgeschoben.

Betraut mit dem Fall ist Kommissar Martin Kühn, ein Mann von Mitte 40, der dem Leben wenig Erfreuliches abgewinnen kann. Kühn ist hoch verschuldet, das Eigenheim, das seine Frau und er gekauft haben, steht auf verseuchtem Boden. Der Mord an dem 17-jährigen Amir ist Kühns erster Fall nach einer viermonatigen Zwangspause. Ein Burnout hatte den sensiblen Polizisten psychisch außer Gefecht gesetzt, doch nun ist er wieder einsatzbereit und entschlossen, den Mörder des jungen Mannes so schnell wie möglich zu überführen. „Er atmete laut in seine Hände und fühlte sich wohl, weil seine Instinkte funktionierten, und er spürte, dass er seine Arbeit liebte.“

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Ausschnitt des Covers zum Krimi (2) Foto: Piper

Doch der Fall erweist sich als überraschend zäh, und es dauert lange, ehe Kühn auf die richtige Spur kommt. Der Leser ist da wesentlich schlauer, auch wenn er ebenso wenig wie der ermittelnde Kommissar weiß, was an jenem verhängnisvollen Morgen geschah, als Amir Bilal „durch massive Gewalteinwirkung“ zu Tode kam. Doch anders als Kühn ist er eingeweiht in die Beziehung zwischen dem jungen Immigranten und der Van-Hauten-Tochter und ahnt, dass hier die Wurzel des Übels liegen könnte.

Vieles scheint auf den ersten Blick wenig wahrscheinlich in diesem Kriminalroman. Ist es realistisch, dass eine Clique von Superreichen einen Loser wie Amir mit offenen Armen aufnimmt? Dass besagter Loser von einem Tag zum anderen seine Straßenschläger-Vergangenheit hinter sich lässt und zum strebsamen Vorzeigeschüler mutiert? Dennoch ist „Kühn hat Ärger“ ein guter, ein sprachlich wie inhaltlich überzeugender Krimi. Er macht die Nöte der zweiten Einwanderergeneration deutlich und offenbart zahlreiche soziale Missstände in unserer Gesellschaft, ohne dabei in jene nörgelige, moralinsaure Besserwisserei zu verfallen, zu der engagierte Krimiautoren bisweilen neigen.

Petra Pluwatsch

Jan Weiler: „Kühn hat Ärger“, Piper, 400 Seiten, 20 Euro.  E-Book: 17,99 Euro.

http://www.ksta.de

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Ausschnitt des Covers zum Krimi (3) Foto: Piper

3 Gedanken zu “Jan Weilers zweite Karriere als Krimiautor

  1. Liebe Petra,
    Jan Weilers zweiten Kühn-Roman habe ich als Hörbuch erlauscht, und ich finde ihn bemerkenswert sozialkritisch.
    Die sensible Aufmerksamkeit und scharfsinnige Präzision, die Jan Weiler der Welt und ihren Details sowie den Menschen und ihren Gegebenheiten entgegenbringt, eröffnet dem Leser/Hörer vermittels der mitfühlbaren Zwischenmenschlichkeit und sozialen Bedingtheit der Figuren differenzierte und vielschichtige Perspektiven auf das komplexe Verhältnis von Schuld und Unschuld, Einflußreichtum und Gerechtigkeit.

    Gerne lade ich Dich mit dem nachfolgenden Link zu einem Lesebesuch auf meine Buchbesprechungsseite ein:
    https://leselebenszeichen.wordpress.com/2018/05/15/kuehn-hat-aerger/

    Nachtaktive Grüße
    Ulrike von Leselebenszeichen

    Gefällt mir

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