Kia Ora in Neuseeland (1): Die höchstgelegene Büchertapete der Welt und die (vermutlich) kleinste Bücherei des Inselreichs

Ohne Zufall geht es nicht. Die literarischen Spuren aus Neuseeland, die wir hier anführen, sind allein der Reiseroute geschuldet. Eine systematische Untersuchung ist das gewiss nicht. Vielmehr sind es Orte, stille und nicht so stille, die uns auf dem Trip zur und über die Nordinsel Neuseelands aufgefallen sind. Das alles verbunden mit dem Gruß in der Sprache der Maori, der einem immer wieder begegnet: Kia Ora!

Stillleben mit Sonne, Buchcontainer und Yacht in Auckland Foto: Bücheratlas / M. Oe.

„Bevor es bei Euch hell wird“

Neuseeland ist für allerlei Attraktionen berühmt. Vielleicht nicht an erster Stelle für seine literarische Leuchtkraft. Das hat auch die Frankfurter Buchmesse nicht ändern können, wo das Land 2012 als Ehrengast gewürdigt wurde. Mit einem Motto, das auf den zwölfstündigen Zeitunterschied zu Europa anspielte: „Bevor es bei Euch hell wird“ (in der Sprache der Maori: He moemoeā, he ohorere, auf Englisch: While you were sleeping).  

Büchertapete in Schwarz-Weiß auf dem Flug mit Air New Zealand Foto: Bücheratlas / M. Oe.

Aber immerhin – Air New Zealand, die nationale Fluglinie mit der Expertise für die Langstrecke, schmückt eine Wand ihrer Flugzeugtoilette mit einer Bücher-Tapete. Zwar wäre es so ziemlich das letzte, würde ein Passagier an diesem stillen Ort zum Buch greifen. Aber heimelig sieht es schon aus. Und lustig ist es obendrein.

Denn wenn man sich erst einmal die Titel anschaut, entdeckt man den angelsächsisch inspirierten Humor. Auf dem Regal stehen nämlich Werke wie diese: „Airplane Flying Handbook: From take-off to landing“. Da möchte man doch gleich weitergehen ins Cockpit und den Captain ablösen. Auch Randgruppen werden berücksichtigt: „The insider‘s guide to Nude ski resorts of New Zealand“. Durchaus passend zu alledem ist da doch der Titel „Toilet Humor“.


Auch am Sonntag geöffnet: Unity Books in der High Street von Auckland. Foto: Bücheratlas / M. Oe.

„Etwas Wundervolles“ in Auckland

Echte Bücher gibt es bei Unity Books in der High Street von Auckland, der beschaulichen Metropole des fernen Landes.  Was man hier findet? Auf dem Lesezeichen, das bei jedem Kauf dazugelegt wird, will die Liste gar nicht enden: „Etwas, das dich wachhält“; „das die Vergangenheit wachruft“; „das in die Zukunft schaut“; „das erklärt“; „das noch nie zuvor in deiner Wohnung war“; „das deine Busfahrt verändert“. Und so fort. Die finale Antwort auf die Frage, was denn hier geboten werde, lautet: „Something wonderful“.

An einem Sonntagmorgen ist die Buchhandlung sehr gut besucht. Dann auch am Abend, als wir noch einmal vorbeischauen, weil wir es nicht glauben können. Die Besucherinnen und Besucher gucken nicht nur, sie kaufen auch. Die Literaturikone Katherine Mansfield (1888-1923), deren Geburtshaus in der Hauptstadt Wellington besichtigt werden kann, ist hier mit Klassischem ebenso vertreten wie Jacinda Ardern, die zu weltweitem Ansehen gelangte ehemalige Premierministerin, mit ihrem 2025 veröffentlichten Memoir „A Different Kind of Power“ (das unter gleichem Titel in deutscher Übersetzung bei btb erschienen ist). Das vielköpfige Team der Buchhandlung ist ständig im Einsatz. „Kann ich Ihnen helfen?“ Ja, wie lautet denn die Empfehlung des Tages?

Am Ende der Beratung ziehen wir mit einem Kurzgeschichten-Band von Patricia Grace von dannen: „Bird Child & Other Stories“. Die vielfach ausgezeichnete Grace ist Mutter von sieben Kindern und Verfasserin von Short Stories, Romanen und Kinderbüchern. Auch wird sie dafür gerühmt, als erste Maori-Schriftstellerin einen Prosa-Band veröffentlicht zu haben: „Waiariki“ im Jahr 1975.

Büchertausch im Container Foto: Bücheratlas / M. Oe.

Wer es günstiger wünscht, der ist bei einer der Büchertauschstationen am rechten Platz. Besonders schön gelegen ist die „Waterfront Container Library Book Exchange“ am Hafen. Ein grüner Container auf Kunstrasen, in dem die eine oder der andere beim Stöbern und Lesen die Zeit vergisst und auch keinen Blick vergeudet für die Yachten in nächster Nähe.  


Wie aus dem richtigen Leben? Lese-Idylle in Gisborne. Foto: Bücheratlas / M. Oe.

Der Großvater in Gisborne

Den alten Mann und den Jungen entdeckten wir auf einer Bank in der Peel Street von Gisborne. Es handelt sich um eine Skulptur, die der Künstler Donald Paterson versehen hat mit der Losung: „Read Me A Story Grandad“. Dem Großvater wird der Vorlesestoff so schnell nicht ausgehen: die Public Library, untergebracht in einem stattlichen Gebäude, befindet sich auf der gegenüberliegenden Straßenseite.

Bücherei am Fähr-Anleger Foto: Bücheratlas / M. Oe.

Von ganz anderer Dimension ist die „Ferry Landing Public Library“ in der Mercury Bay. Vielleicht ist dies die kleinste Bücherei des Landes? Das wissen wir nicht so genau. Aber ziemlich klein ist sie schon. Kaum größer als eine Garage und fein herausgeputzt in Grün und Weiß. Sie liegt am Parkplatz der Personenfähre, mit der man übersetzt nach Whitianga – ein Katzensprung für das Boot, eine ordentliche Fahrstrecke für den Pkw. Die Library war leider geschlossen, als wir ankamen, sie war es auch, als wir abfuhren. 

Martin Oehlen

Die Fortsetzung

mit Literaturspuren aus Neuseeland liefern wir in Kürze.

Auf diesem Blog

haben wir schon einige Literaturspuren aufgezeigt – unter anderem solche aus Tokio (HIER und HIER), Paris (HIER und HIER) und aus Südkorea (HIER).  

2 Gedanken zu “Kia Ora in Neuseeland (1): Die höchstgelegene Büchertapete der Welt und die (vermutlich) kleinste Bücherei des Inselreichs

  1. Tolle Reihe, habe ich wieder sehr gerne gelesen. Mein „Read around the world“ Stop in Neuseeland steht noch bevor, ich habe aber schon die entsprechende Lektüre zu Hause, werde Eleanor Cattons „The Luminaries“ lesen.
    Freu mich schon auf eure Fortsetzung. Liebe Grüße, Sabine

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