
Das ist ein dickes Ding! Mehr als 1200 Seiten brauchen Robin Ellacott und Cormoran Strike, um einen Serienkiller zu überführen, der rund um London sein Unwesen treibt. Okay, nebenbei klären sie noch ein paar weitere Todesfälle auf, die nichts mit dem ursprünglichen Verbrechen zu tun haben. Ganz zu schweigen von den zahlreichen privaten Problemen, die den Londoner Privatermittlern das Leben schwer machen. Als da wären: Liebeskummer, Beziehungsprobleme, Ärger mit Ex-Geliebten, Ärger mit der Mutter, Ärger mit dem Vater, Ärger mit Kollegen.
Der Tote im Tresorraum
Robert Galbraith – hinter dem Pseudonym verbirgt sich Harry-Potter-Autorin Joanne K. Rowling – hat wahrlich wenig ausgelassen, um ein prallvolles Stück Leben zwischen zwei Buchdeckel zu pressen. „Der Tote mit dem Silberzeichen“ ist der achte Band der 2013 gestarteten Krimireihe, die sich durch verwickelte Plots, üppige Dialoge und zahlreiche, breit erzählte Nebenhandlungen auszeichnet.
Diesmal wird im Tresorraum eines Silbergeschäfts eine Leiche gefunden. Jemand hat dem unbekannten jungen Mann die Hände und noch einige andere Körperteile abgehackt. Ein geheimnisvolles Zeichen auf seinem Rücken weist auf eine Verbindung zu den Freimaurern hin. Die Polizei identifiziert das Opfer schnell als Sohn eines bekannten Gangsterbosses und legt den merkwürdigen Fall zu den Akten.
Im Tal der Irrtümer und falschen Fährten
Allein Decima Mullins lässt die Geschichte keine Ruhe. Die frischgebackene Mutter ist überzeugt davon, dass es sich bei dem Toten um ihren Geliebten handelt, der seit einigen Monaten verschwunden ist, und beauftragt das Detektivbüro Strike & Ellicott, die Identität des Mannes zu überprüfen. Akribisch gehen Cormoran und Robin jedem noch so kleinen Hinweis nach und stoßen im Zuge ihrer Ermittlungen auf gleich mehrere ungeklärte Vermisstenfälle. Doch wer von den verschwundenen Männern ist der Tote im Tresorraum? Diese Frage zu beantworten, wird Monate dauern und das Ermittlerpaar in manche Sackgasse führen.
So mäandert die Handlung durch ein breites Tal aus Irrtümern und falschen Spuren, ehe das Opfer identifiziert und sein Mörder in einem blutigen Show-Down überführt wird. Robert Galbraiths Bücher sind nichts für eilige, zielorientierte Leserinnen und Leser. Wer sich auf sie einlässt, muss viel Zeit und Geduld mitbringen. Belohnt wird er mit einer spannenden, vielschichtigen Geschichte und zwei Hauptfiguren, denen wir wünschen, dass sie endlich zueinander finden.
Petra Pluwatsch
Auf diesem Blog
haben wir bereits drei Robert-Galbraith-Romane rund um die Ermittler Robin Ellacott und Cormoran Strike vorgestellt: zunächst „Weißer Tod“ (HIER), dann „Böses Blut“ (HIER) und zuletzt „Das strömende Grab“ (HIER).
Robert Galbraith: „Der Tote mit dem Silberzeichen“, dt. von Wulf Bergner, Christoph Göhler und Kristof Kurz, Blanvalet,1248 Seiten, 32 Euro. E-Book: 26,99 Euro.
