Mick Herron engagiert die Privatdetektivin Zoë Boehm: „Down Cemetery Road“ bietet Spannung mit schwarzem Humor

Foto: Bücheratlas / M. Oe.

Im Jahr 2010 startete der englische Krimiautor Mick Herron seine „Slow-Horses“-Reihe, die heute weit über die Grenzen Großbritanniens hinaus Kultstatus hat. In deutscher Übersetzung erscheint demnächst der achte Band:  „Bad Actors“. Einige der Bücher wurden inzwischen verfilmt.

Explosion in Oxford

Bevor Mick Herron seine ausgemusterten MI5-Spione auf Erfolgskurs schickte, versuchte er sich an einer Serie über eine Londoner Privatdetektivin. Zwischen 2003 und 2009 erschienen fünf Bände der Zoë-Boehm-Reihe. Der Publikumserfolg der toughen Ermittlerin war mäßig, doch das galt anfangs auch für die „Slow Horses“. Jetzt ist mit „Down Cemetery Road“ das erste Buch der Reihe im Diogenes-Verlag erschienen – und der Auftakt ist durchaus vielversprechend.

Sarah Tucker, eine gelangweilte junge Hausfrau aus Oxford, wird durch Zufall in die Machenschaften des britischen Geheimdienstes verwickelt. In ihrer Nachbarschaft ist ein Haus in die Luft geflogen. Dabei gab es zwei Tote, ein vierjähriges Mädchen ist verschwunden. Sarah begibt sich auf die Suche nach der kleinen Dinah und gerät schon bald ins Visier eines Killers. Der Privatdetektiv (und Partner von Zoë Boehm), den sie anheuert, wird ermordet. Sie selbst entkommt mit Hilfe eines undurchsichtigen Fremden nur knapp einem Mordanschlag.

Verbrechen im Irakkrieg

Eine wilde, temporeiche Geschichte, die im ersten Irakkrieg ihren Anfang nimmt. Damals waren mehrere Soldaten in eine üble Unternehmung hineingeraten, bei der es mehrere Tote gegeben hatte. Nun versucht die britische Regierung mit allen Mitteln, die letzten Zeugen der „Operation“ zu beseitigen. Selbst vor Mord schreckt sie nicht zurück. Schließlich gelte es, die Demokratie zu schützen. „Todesschwadronen waren Mittel der Faschisten. In einer Demokratie passierten Unfälle.“

Mick Herron erweist sich bereits in seinem ersten Krimi als Meister des Understatements und des schwarzen Humors. Wer ein Faible für bissige Dialoge, für bitterböse Kommentare und eine originelle (wenn auch teilweise sehr blutige) Geschichte hat, der ist hier genau richtig. Übrigens: „Down Cemetery Road“ wurde kürzlich mit Emma Thompson in der Hauptrolle verfilmt.   

Petra Pluwatsch

Auf diesem Blog

haben wir mit Mick Herron HIER über den Band „London Rules“ ein Gespräch geführt. Und seinen Thriller „Slough House“ haben wir HIER vorgestellt.

Mick Herron: „Down Cemetery Road – Zoë Boehm ermittelt in Oxford“, dt. von Stefanie Schäfer, Diogenes, 550 Seiten, 19 Euro. E-Book: 15,99 Euro.  

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