Spannungsliteratur vom Feinsten: „Abendrot“ von Lucy Foley spielt in einer Nobelherberge, in der jeder etwas zu verbergen hat

Mysteriöse Vorgänge prägen den Paris-Thriller von Lucy Foley, in dem Jess nach ihrem Bruder Ben sucht. Foto: Bücheratlas

Jess hat sich ihre Ankunft in Paris etwas anders vorgestellt. Bruder Ben, bei dem sie für ein paar Nächte unterkommen will, ist nicht zu Hause, sein Handy scheinbar abgeschaltet. Vor dem luxuriösen Herrenhaus, in dem er seit kurzem zur Miete wohnt, steht ein ungehobelter Typ, der ihr nahelegt, möglichst schnell zu verschwinden. Und dann ist da auch noch diese Katze mit dem blutigen Maul, die maunzend durch Bens Appartement streift.

Unterwegs auf der Bestsellerliste

Hat das Tier vielleicht gerade eine Maus gefressen? Wohl kaum, wenn man die Thriller von Lucy Foley kennt. „Neuschnee“ und „Sommernacht“ standen wochenlang auf der deutschen Bestsellerliste, und auch ihr jüngstes Werk „Abendrot“ ist nur wenige Tage nach seinem Erscheinen auf dem Weg ganz nach oben. Angeblich hat ein Aufenthalt in einem alten Stadthaus in Paris die reiselustige Autorin zu dem Reißer inspiriert, den man – auch wenn das eine Phrase ist – so schnell nicht aus der Hand legt.

In den nächsten Tagen bleibt Ben Daniels unauffindbar, und so beginnt seine kleine Schwester, sich im Haus umzuhören. Wer hat den investigativen Journalisten zuletzt gesehen, und war er wirklich einer großen Story auf der Spur, wie ein Bekannter von ihm behauptet?

Obskure Gestalten

Erzählt wird die spannungsgeladene Geschichte aus der Perspektive von Jess und den Bewohnern des vornehmen Pariser Wohnhauses. Schnell ist klar, dass in der Nobelherberge jeder etwas zu verbergen hat. Die stille Mimi mit dem schiefen, selbstgeschnittenen Pony war offenbar in den smarten Journalisten verliebt. Unglücklich versteht sich. Penthouse-Bewohnerin Sophie, die sich von ihrem Ehemann vernachlässigt fühlt, ist nicht die, die sie zu sein vorgibt. Und Ben selber? Der ist alles andere als der Charmebolzen, der er auf den ersten Blick zu sein scheint.

Lucy Foley strickt aus den einzelnen Erzählstränge einen gut aufgebauten Thriller, der zielgenau auf ein überzeugendes Ende hinsteuert. Mit anderen Worten: Spannungsliteratur vom Feinsten.

Petra Pluwatsch 

Lucy Foley: „Abendrot“, dt. von Ivana Marinovic, Penguin, 480 Seiten, 15 Euro. E-Book: 10,99 Euro.

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