Die Hölle in der sowjetischen Geheimstadt Arsamas-16: Owen Matthews‘ Atombomben-Thriller „Black Sun“

Auf das Atombomben-Wettrüsten folgte die Anti-Atomkraft-Bewegung. Hier sind einschlägige Sticker aus ganz Europa zu sehen: Rote Sonne statt schwarzer Sonne. Sie gehören zur Ausstellung im Haus der Europäischen Geschichte in Brüssel. Foto: Bücheratlas

Der Kalte Krieg ist auf seinem Höhepunkt, die Welt zittert vor dem Beginn eines Atomkrieges. Die Sowjetunion scheint die Nase vorn zu haben im Rennen um die Vormachtstellung in der Welt. Am 30. Oktober 1961 soll über einem Atomtestgelände im nördlichen Polarmeer die gigantischste Bombe detonieren, die die Menschheit jemals gesehen hat: „RDS-220“, die Todesbotin aus der geheimen Stadt Arsamas-16. „100 Megatonnen stark, siebenmal so mächtig wie Castle Bravo“, protzt einer der Wissenschaftler, der das Teufelsding mitentwickelt hat. Doch dann stirbt der smarte Fjodor Petrow, der „RDS-220“noch ein wenig gefährlicher machen wollte, an einer Thallium-Vergiftung. Selbstmord oder Mord?

Eine Frage, die KGB-Agent Major Alexander Wassin so rasch wie möglich beantworten soll. Zwei Tage hat er Zeit, um den Fall aufzuklären. Zwei Tage, die ihn hinabführen in die Hölle von Arsamas-16. 

„Black Sun“, so der Titel dieses megaspannenden, klugen und hervorragend recherchierten Thrillers von Owen Matthews, katapultiert uns direkt hinein in die irrwitzige Welt einer Stadt, in der alles möglich ist. Überwacht vom örtlichen KGB, versucht Wassin, den Fall Petrow aufzuklären, und kommt schon bald einer gewaltigen Vertuschungsaktion auf die Spur. Der Mantel der Bombe ist im letzten Moment ausgetauscht worden, was ihr einen Teil ihrer Sprengkraft nimmt.

Autor Owen Matthews, Sohn eines englischen Vaters und einer russischen Mutter, hat viele Jahre als Korrespondent in Moskau gearbeitet und dabei viel Insiderwissen erworben. Ein Umstand, der seinem Buch zweifellos zugutekommt. Dass er eine packende Schreibe hat, ist ebenfalls kein Fehler.

„Black Sun“ basiert in einigen Grundzügen auf einer wahren Geschichte: Am 30. Oktober 1961 explodierte im nördlichen Polarmeer die größte Atombombe aller Zeiten. „RDS-220“ entfachte dabei eine nie gekannte Sprengkraft, die nicht nur ihren Erbauer Andrej Sacharow zutiefst erschütterte. Zwei Jahre später unterzeichneten die USA und die UdSSR einen ersten Vertrag über das Verbot von Nuklearversuchen.   

Petra Pluwatsch

Owen Matthews: „Black Sun“, dt. von Michael Krug, Lübbe, 432 Seiten, 15 Euro. E-Book: 9,99 Euro.

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