Polizeireporterin als Krimiautorin: Tina Frennstedt greift ungelöste Mordfälle auf

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Die Spur führt zum See. Foto: Bücheratlas

Nein, sagt Tina Frennstedt, ein „roll model“, ein Vorbild für ihre Protagonistin gebe es nicht. „Tess Hjalmarsson ist aus ganz vielen Mosaiksteinchen zusammengesetzt.“ Ein wenig Freundin, ein wenig Kollegin, ein wenig sie selber. „Auf jeden Fall ist sie eine starke Persönlichkeit.“ Ganz so wie die Autorin selbst, die an diesem Abend beim Krimi-Dinner des Kölner Lübbe Verlags auf der Bühne sitzt. Der Anlass: Gerade ist Tina Frennstedts erstes Buch „Cold Case. Das verschwundene Mädchen“ in deutscher Übersetzung erschienen. In der Heimat der mehrfach preisgekrönten schwedischen Fernsehjournalistin war es bereits ein Riesenerfolg.

Vor 20 Jahren sei sie eingestiegen als Polizeireporterin. Viele der Fälle, mit denen sie zu tun gehabt habe, seien bis heute nicht aufgeklärt. „Besonders schlimm ist das für die Familien. Diese interessiert der Täter weniger. Sie wollen einfach nur wissen, was passiert ist.“ Einer dieser Fälle ließ Frennstedt auch Jahre später nicht los. Ein junges Mädchen war verschwunden, seine Leiche nie aufgetaucht. „Die Familie hatte nicht einmal einen Ort zum Trauern.“

Ein Jahr nahm sie sich Zeit, um aus dem Stoff ein Buch zu machen. Verfremdete Namen und Handlungsorte. Leicht sei ihr das Schreiben nicht gefallen, gibt Tina Frennstedt zu. „Als Journalistin muss man sich streng an die Fakten halten und darf nichts dazuerfinden. Wenn man einen Roman schreibt, ist das komplett anders. Da muss man Dinge erfinden, ausschmücken.“ Gerade dieses Fiktionale habe ihr Probleme bereitet.

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Tina Frennstedt (rechts) beim Lübbe-Abend in Köln im Gespräch mit Margarete von Schwarzkopf Foto. Bücheratlas

„Das verschwundene Mädchen“ erzählt die Geschichte der 19-jährigen Annika Johansson, die sich mit dem falschen Mann einlässt und nach ihrer Schulabschlussfeier spurlos verschwindet. Das ist fast 20 Jahre her, und Kommissarin Tess Hjalmarsson, Expertin für Cold Cases, hat wenig Hoffnung, den Fall noch aufzuklären. Doch dann stößt sie auf eine neue Spur. Ein dänischer Serienvergewaltiger scheint in Annikas Verschwinden verwickelt zu sein. Die Jagd nach dem Unbekannten beginnt. Und bringt überraschende Erkenntnisse zutage.

Inzwischen sitzt Tina Frennstedt an ihrem zweiten Kriminalroman. Auf einer abgelegenen Straße wird die Leiche eines jungen Mannes gefunden. Auch 25 Jahre später weiß man nicht, was passiert ist. Wieder habe sie vieles verändert, um die Familie zu schützen. „Zum Glück finden die Angehörigen des Opfers das Buch gut“, sagt sie. „Anfangs hatte ich große Bedenken.“

Zehn Bände von „Cold Case“ sind geplant. Angst, dass ihr der Stoff ausgeht, hat Tina Frennstedt nicht. „Dazu habe ich in den letzten 20 Jahren zu viel erlebt und gesehen.“

Petra Pluwatsch

Tina Frennstedt: „Cold Case. Das verschwundene Mädchen“, dt. von Hanna Granz, Lübbe, 444 Seiten, 14,90 Euro. E-Book: 9,99 Euro.

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