Fred Vargas lässt den Pariser Kommissar Adamsberg auf Spinnen los

 

Paris-April-2010 087 (2)

Fotos: Bücheratlas

Intuition bestimmte schon häufig das Handeln des Pariser Kommissars Jean-Baptiste Adamsberg. Doch seit er aus einem Islandurlaub zurückbeordert wurde in die französische Metropole,  scheint der schmächtige Südfranzose abgedrehter denn je.  Der Chef sieht Gespenster – das jedenfalls glauben die Mitglieder seiner  Brigade Criminelle, allen voran sein Stellvertreter Danglard.  „Windiger und wogender denn je, mit unstetem Blick und vagem Lächeln, schien der Kommissar alle genauen Bezugspunkte verloren  zu haben, denen seine Ermittlungen ja doch immerhin folgten wie zwar  spärlichen, aber beruhigenden Wegmarkierungen.“

Die Brigade ist erst recht verunsichert, als Adamsberg  eine  Mordermittlung  anregt, die  auf recht wackeligen Beinen steht. Drei  betagte Männer sind irgendwo im Süden Frankreichs durch den Biss einer Einsiedlerspinne zu Tode gekommen. Nicht ungewöhnlich bei dem  fortgeschrittenen Alter der Herren. Daraus auf eine Mordserie zu schließen – das  schafft in der Tat  nur ein „nebulöser Geist“ wie  Adamsberg.  Jedes Mal, wenn er von der Spinne spricht,  verspürt er eine Nackenverspannung und ein  leichten Unwohlsein.

So kommt es im jüngsten Roman von Fred Vargas alsbald zur Palastrevolution, und dem Kommissar bleiben nur einige wenige Getreue, um den vermeintlichen Mörder zur Strecke zu bringen. Das alles liest sich – nicht zuletzt dank der hervorragenden Übersetzung  von Waltraud Schwarz – höchst vergnüglich. Die französische Krimischriftstellerin, die beste ihres Fachs im Nachbarland,  läuft in „Der Zorn der Einsiedlerin“  sprachlich wie inhaltlich zur Höchstform auf. Mit lakonischem  Witz schildert sie die kleinen und großen Spleens dieser  Brigade Criminelle, die sich schließlich von ihrem Chef überzeugen lässt, dass sehr wohl eine Mordserie vorliegen  könnte.

„Der Zorn der Einsiedlerin“ ist  der elfte  Band der Adamsberg-Reihe,  die  in Frankreich bereits 1991 startete. In Deutschland  erschien der erste Band –  „Es geht noch ein Zug von der Gare du Nord“ – erst 2003. Seitdem hat die scheue Französin, die   1957 unter dem Namen  Frédérique Audoin-Rouzeau in Paris geboren wurde, auch hierzulande eine treue Fangemeinde. 2004 und 2016 erhielt sie den Deutschen Krimipreis, vier ihrer Romane wurden  als „Krimi des Jahres“ ausgezeichnet.

Fred Vargas Bücher leben weniger von ihrem Plot als von den schrägen Vögeln, die darin die Hauptrolle spielen. Da ist Danglard, ein Mann, der beherrscht wird von mannigfachen Ängsten und mehr weiß als jedes Lexikon.  Seine Furcht vor der Welt spült er mit viel Weißwein herunter. Kollegin  Froissy hortet heimlich Nahrungsmittel in ihrem Zimmer. Der fette  Kater, der  zur Brigade gehört,  wohnt auf dem büroeignen Kopierer und lässt sich zu seinem Futternapf tragen.

Kaum zu glauben, dass diese wunderliche Truppe trotz allem mit ihren Mordermittlungen vorankommt. Natürlich findet sich am Ende die Lösung. Wie sich das  in einem guten Krimi gehört. Und gut ist dieser elfte Band der fabelhaften Adamsberg-Reihe. So  gut,  dass die Zeit lang werden dürfte bis zu Band Nummer zwölf.

Petra Pluwatsch

http://www.ksta.de

Fred Vargas: „Der Zorn der Einsiedlerin“,  dt.  von Waltraud Schwarze, Limes, 512 Seiten, 23 Euro.  E-Book: 18,99 Euro.

Vargas

 

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