
Der Auftakt zur „Lokalrunde“ ist schon mal verheißungsvoll. Aufgrund der großen Nachfrage wurde der Start der Reihe mit Neuerscheinungen aus Köln und der Region vom Literaturhaus in die nahegelegene Karl-Rahner-Akademie verlegt – und ist jetzt auch schon dort ausverkauft.
Spitze in NRW
Tatsächlich ist die Zahl der in Köln und Umgebung lebenden Autorinnen und Autoren so hoch wie nirgends sonst in Nordrhein-Westfalen. Ja, auch im Ruhrgebiet oder in Münster, in der Eifel und in Aachen wird gedichtet. Doch die größte Stadt im Bundesland liegt klar vorne. Eine Zählung, die vor wenigen Jahren in Umlauf war und auch Drehbuchschreiberinnen und -schreiber einbezog, kam auf über 600 Personen. Mittlerweile – so der subjektive Eindruck – ist dieser Berufszweig noch gewachsen.
Viele Faktoren sind dabei hilfreich. Von der Kunsthochschule für Medien, an der es eine einschlägige Ausbildung gibt, über den Schreibraum, in den man sich günstig einmieten kann, bis Zusammenschluss in der „Literaturszene Köln“. Und das sind nur einige der Kraftzentren.
„Priorisierung“ der Verwaltung
Dass die sommerliche Kulturbühne „Nimm Platz!“ auf dem Neumarkt künftig nicht mehr dazugehört, passt leider nicht ins positive Gesamtbild. Sie wurde zumal für Lesungen genutzt. Nun hat die Verwaltung bei der „Priorisierung“ ihrer Kultur-Ausgaben an dieser Stelle den Rotstift gezückt. Dabei leistete die Initiative, über die wir vielfach berichtet haben (zuletzt HIER) , den Literaturinteressierten und den Literaturschaffenden ebenso gute Dienste wie dem sozialen Brennpunkt.
Noch im vergangenen Jahr sagte die damals amtierende Oberbürgermeisterin Henriette Reker, die sommerliche Kulturoffensive gehöre „zu einem Mix aus Maßnahmen, um den Neumarkt zu einem besseren Platz zu machen“. Doch die neue Stadtspitze sieht das offenbar anders. Gleichwohl war die Resonanz auf „Nimm Platz!“ allenthalben positiv. Und die Nachfrage der Schreibenden, die diese Bühne im rauen Alltagsumfeld nutzen wollten, war und ist dem Vernehmen nach so groß wie nie zuvor. Jedoch – vorbei!

Neuerscheinungen im Doppelpack
Aber kehren wir zurück zum Positiven! Seit 30 Jahren sorgt auch das Literaturhaus Köln für Rückenwind. Da ist es naheliegend, wenn diese Institution ihr Jubiläum mit einem regionalen Akzent feiert. So bereichert jetzt die „Lokalrunde“ das Programm. Im Mittelpunkt: Autorinnen und Autoren, die in Köln und der Region zuhause sind. Ihre Neuerscheinungen gibt es fortan allmonatlich im Doppelpack.
Die April-Lesung bestreiten Ute Wegmann mit „Alles soll sehr weiß sein“, deren Generationen-Roman wir HIER vorgestellt haben, und Bastian Schneider mit „Umschreibung“, worüber wir morgen ausführlich berichten werden. Im Mai folgen Thomas Empl mit der Erzählung „Pariah Dogs“, deren Besprechung auf diesem Blog HIER zu finden ist, und Lisa Roy mit dem Roman „Alles ist Gold“, der erst in vier Wochen erscheint. Schließlich stehen im Juni die Auftritte von Thea Mantwill mit „Gescheiterte Sterne“ und Enno Stahl mit „Menschmaschinen“ auf dem Programm.
Martin Oehlen
Auf diesem Blog
haben wir Ute Wegmanns Roman „Alles soll sehr weiß sein“ HIER und Thomas Empls Erzählung „Pariah Dogs“ HIER vorgestellt. Der nächste Beitrag auf diesem Blog wird sich mit Bastian Schneiders „Umschreibung“ befassen.
Über „Nimm Platz!“ haben wir häufig berichtet. Wen das interessiert, gibt am besten das Stichwort „Nimm Platz“ in die Suchmaske ein. Den letzten Beitrag gibt es HIER.
Die Lokalrunden
Ute Wegmann und Bastian Schneider am 14. April 2016, 19 Uhr, Karl Rahner-Akademie, Moderation: Sabine Küchler und Martin Mittelmeier (die Veranstaltung ist ausverkauft). Es folgen Thomas Empl und Lisa Roy am 21. Mai und Thea Mantwill und Enno Stahl am 8. Juni, jeweils im Literaturhaus Köln.