Kia Ora in Neuseeland (5): Historische Stätten der Maori im Land der langen weißen Wolke

Nun noch das Finale unserer Reise über die Nordinsel von Neuseeland! Im fünften und letzten Teil blicken wir auf die Menschen aus Polynesien, die lange vor den Briten dieses naturschöne Land entdeckt und besiedelt haben.

Figur auf einem Langboot, das auf den Treaty Grounds von Waitangi ausgestellt wird. Foto: Bücheratlas / M. Oe.

45 Häuptlinge und ein Brite

Mit einem „Kia Ora“ begrüßt uns die Führerin vor dem Te Kongahu Museum of Waitangi. Kia Ora – guten Tag, hallo und herzlich willkommen. Ein Gruß auf Maori, den wir in Neuseeland oft gehört haben. Eine Stunde lang wird sie uns durch die Treaty Grounds führen, ein rund 500 Hektar großes, parkähnliches Areal bei Waitangi in der Bay of Islands. Wohl an keinem anderen Ort kommt man der Geschichte Neuseelands näher als hier.

Am 6. Februar 1840 unterzeichneten 45 Maori-Häuptlinge und ein Vertreter der britischen Krone auf dem Gelände den Treaty, den Vertrag von Waitangi, auch Te Tiriti genannt. Der sicherte der britischen Krone die Souveränität über die abgelegene Doppelinsel zu und gilt damit als Geburtsstunde Neuseelands. Im Gegenzug garantierte der Vertrag den Maori die Rechte an dem von ihnen genutzten Land – eine Zusage, die seitdem mehr als einmal gebrochen wurde.


Die Flaggen von Waitangi

Eingangsbereich im Te Kongahu Museum Foto: Bücheratlas / M. Oe.

Im hochmodernen Te Kongahu Museum, das sich am Eingang des Areals befindet, dokumentiert eine umfangreiche Dauerausstellung Entstehung und Inhalt des Vertrages. Auf dem Gelände kann man außerdem ein Marae, ein Versammlungshaus der Maori, besuchen und durch das liebevoll restaurierte Treaty House schlendern.

In dem mehrmals erweiterten Kolonialbau lebte im 19. Jahrhundert der britische Staatsvertreter James Busby, der maßgeblich am Zustandekommen des Vertrags von Waitangi beteiligt war. Unweit davon markieren drei Fahnen die Stelle, an der 1840 der Treaty unterzeichnet wurde: die schwarz-weiß-rote Fahne der Maori aus dem Jahr 1834, die britische Union Flag von 1840 und die offizielle neuseeländische Flagge.


Die Ehefrau des Stammesführers

Vor allem die Fahne der Maori werden wir auf unserer Fahrt durch die Nordinsel noch häufig sehen. Selbstbewusst präsentieren die ersten Einwanderer nach Neuseeland allerorten ihre Sprache und Kultur. In hölzernen Langbooten – einen Nachbau kann man auf den Treaty Grounds bewundern – kamen sie vermutlich im 14. Jahrhundert, also lange vor den Europäern, aus Polynesien nach Aotearoa, was übersetzt das Land der langen Wolke heißt.

Angeblich hat Kuramarotini, die Ehefrau des legendären Stammesführer Kupe,  ihre neue Heimat so genannt. Das reiselustige Ehepaar soll Neuseeland der Sage nach bereits im 10. Jahrhundert entdeckt haben – eine Erzählung, die sich indes nicht mit den aktuellen archäologischen Funden deckt.   


James Cook und die ersten Opfer

Seit 1987 ist Te Reo Maori, die Sprache der Maori, neben Englisch Amtssprache in Neuseeland, und so sind sämtliche Straßenschilder und viele offizielle Hinweise zweisprachig ausgezeichnet. In Gisborne an der Poverty Bay erinnert die Puhi Kai Iti Landing Site sowohl an die Besiedlung des Landes durch die Maori als auch an die erste Landung des britischen Seefahrers James Cook in Neuseeland am 8. Oktober 1769. Das Cook-Monument, ein schlichter Obelisk aus Granit, stammt von 1906. Im Jahr 2019 wurde die Landing Site umgestaltet und erinnert seitdem auch an die polynesischen Besiedler Neuseelands. Außerdem gemahnen neun Pfähle an jene neun Maori, die beim ersten Landgang der Europäer am 8. Oktober von Cooks Gefolgsleuten getötet wurden.

Mehr über die ersten Ankömmlinge aus Polynesien erfährt man im Mercury Bay Museum in Whitianga, einem kleinen lokalen Museum mit zahlreichen leicht verstaubten Ausstellungsstücken. Es entfaltet seinen Charme durch die Fülle und die etwas altmodische Präsentation der Objekte.


Die Höhle der Seherin von Whakatane

Muriwai-Höhle in Whakatane Foto: Bücheratlas / M. Oe.

Empfehlenswert ist ebenfalls ein Besuch in Whakatane, einer Kleinstadt an der Mündung des Whakatane-Flusses in den Pazifik. Mitte des 14. Jahrhunderts soll dort das Mataatua-Kanu angelegt haben, eines von sieben polynesischen Langbooten aus dem sagenhaften Ursprungsort Hawaiiki. Ein Nachbau findet sich in einem Unterstand in Strandnähe.

Auch ein Besuch der Muriwai-Höhle, der Te Ana o Muriwai, in der Nähe der Harbour-Front lohnt sich. Der Eingang des heiligen Ortes ist mit roten Holzschnitzereien markiert. Hier soll die Seherin Muriwai – eine Schwester von Toroa, dem Kapitän des Mataatua-Kanus – bis zu ihrem Tod gelebt haben.


Gericht aus dem Erdloch

Zum Schluss noch ein kulinarischer Tipp! Nicht wegzudenken aus der Maori-Küche ist das traditionelle Hangi. Dabei werden sämtliche Zutaten für das Gericht in Flachsblätter, Stoffsäcke oder auch schon einmal in Alufolie gewickelt. Anschließend wird es in einem Erdloch mehrere Stunden auf heißen Steinen gegart. Dazu ein herzliches „Kia Ora“.

Petra Pluwatsch

Auf diesem Blog

haben wir in unserer kleinen Neuseeland-Reihe auf die höchste Büchertapete der Welt, das Höllentor eines Nobelpreisträgers, die Farben und Formen des Friedensreich Hundertwasser, die Wasserpistolen in Restaurants und anderes mehr hingewiesen: Teil 1 gibt es HIER, Teil 2 HIER, Teil 3 HIER und Teil 4 HIER.

ENDE

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