„Irgendwie sogar sympathisch“: Österreichischer Buchpreis für „Monde vor der Landung“ von Clemens J. Setz

Foto: Bücheratlas

Clemens J. Setz ist am Montag für „Monde vor der Landung“ (Suhrkamp) mit dem Österreichischen Buchpreis ausgezeichnet worden. Den Roman haben wir auf diesem Blog HIER vorgestellt. Der Debütpreis ging an Arad Dabiri für den Titel „Drama“ (Septime Verlag).

Was wir am Werk gepriesen haben, ist die eine Sache. Aber was sagt die Jury? Genau das: „Clemens J. Setz‘ Roman ‚Monde vor der Landung‘ erzählt das Leben eines Querdenkers ‚avant la lettre‘, ohne dessen obskure Gedankenwelt lächerlich zu machen oder umgekehrt zu verharmlosen. Das Innenleben des Protagonisten Peter Bender, dessen historisches Modell in den 1920er Jahren relativ erfolgreich die sogenannte Hohlwelt-Theorie propagiert hat, wird in all seinen Schattierungen und sozialen Verästelungen offengelegt, aber niemals denunziert. Selbst in den offensichtlichen Unaufrichtigkeiten gegenüber seinen glühenden Anhängern sowie den Lieblosigkeiten gegenüber seiner eigenen Frau und seiner heimlichen Geliebten wirkt Bender menschlich und irgendwie sogar sympathisch.“

Und weiter: „Angesichts der radikalen politischen Verwerfungen in den 1930er Jahren mit ihren viel tieferen ethischen Abgründen und Brutalitäten erscheint Benders verquere Weltsicht plötzlich gar nicht mehr so haarsträubend wie zunächst. Sein trauriges Schicksal und das seiner jüdischen Frau im Nationalsozialismus wird so fragmentarisch berichtet, wie sie überliefert sind, sodass stets Dezenz gewahrt bleibt. Die kulturell, historisch und sprachlich ausgesprochen sensible Erzählinstanz ergreift niemals Partei und legt kein Urteil nahe. Auf diese Weise können Leserinnen und Leser ihren eigenen Zugang in die komplexe Thematik entwickeln und das soziale Abtriften eines trotz allem einnehmenden Menschen ‚von Innen‘ erleben.“

Kurzum: eines der Highlights des deutschsprachigen Bücherjahres. Und das auch noch. Der Hauptpreis ist mit 20.000 Euro dotiert, der Debütpreis mit 10.000 Euro. Die Jury bildeten Verena Brunner-Loss (Buchhändlerin), Imogena Doderer (ORF), Joachim Leitner (Tiroler Tageszeitung), Katrin Schumacher (MDR) und Norbert Christian Wolf (Universität Wien) zusammen. (BA)

Auf diesem Blog

haben wir „Monde vor der Landung“ HIER vorgestellt.

Clemens J. Setz: „Monde vor der Landung“, Suhrkamp, 526 Seiten 26 Euro. E-Book: 21,99 Euro.

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