Raus aus dem Nest! Francesca Buoninconti verfolgt „Die erstaunlichen Wanderungen der Tiere“

Pinguine gehören zu den Tieren, die ganz schön rumkommen im Leben. Unser Modell macht gerade Station auf der Isla Valdez im patagonischen Argentinien. Foto: Bücheratlas

Im eigenen Nest hocken und auf bessere Zeiten hoffen? Von wegen! Raus in die Welt ist das Motto von Millionen Vögeln und anderem Getier, die zweimal im Jahr zur großen Reise aufbrechen. Lachse, Wale, Hausrotschwänze, ganz zu schweigen vom Großen Abendsegler – sie nennen gleich mehrere Orte auf der Welt ihr Zuhause. Jetzt hat die italienische Wissenschaftsjournalistin Francesca Buoninconti den passionierten Welt-Umrundern ein wunderbares Buch gewidmet, das keine Fragen offenlässt: „Grenzenlos. Die erstaunlichen Wanderungen der Tiere.“ Gäbe es eine bessere Zeit als die jetzige, sich in ein solches Werk zu vertiefen? Daheim im Sessel, während der nächste Lockdown und erste bundesweite Ausgangssperre drohen?

Francesca Buoninconti hat Ornithologie studiert und arbeitet für verschiedene italienische Medien. Sprich: Sie weiß, worüber sie schreibt, und sie weiß erst recht, wie sie ihre Informationen leicht und süffig für interessierte Laien aufbereitet. Klar, es gibt das eine oder andere Fremdwort, das vielleicht nicht jedem geläufig ist. Doch während man noch darüber nachdenkt, was zum Teufel wohl „Protogynie“ bedeutet, hat die Autorin das Rätsel auch schon gelöst: „Die vorgezogene Wanderung der Weibchen am Ende der Brutzeit.“

Aufgeteilt ist das Buch in drei große Kapitel mit mehreren Unterkapiteln: „Ein Leben im Flug“, „Wasserwege“ und „Ein langer Marsch“. Jedes davon beinhaltet eine wahre Fundgrube an Informationen. Man erfährt, warum die Zugvögel im Frühling und Sommer in Europa brüten und im Herbst aufbrechen nach Afrika, welche Hormone ihnen sagen, dass es Zeit ist zu gehen, und wie es ihnen gelingt, sich anhand eines Sonnen-, Magnet- oder Sternenkompasses auf ihrer langen Reise zu orientieren. Manche von ihnen sind „Kurzstreckenzieher“, die nach maximal 5000 Kilometern die Nase voll haben vom Reisen. Die „Langstreckenzieher“ hingegen legen Flugdistanzen von bis zu 15.000 Kilometern zurück und bringen es auf täglich 100 bis 200 Kilometer. Viele von ihnen sind so klein, dass wir sie hoch oben am Himmel gar nicht wahrnehmen. Andere fliegen bei Nacht, um der Tageshitze zu entgehen.

Auch Insekten, Fledermäuse, Fische und Schildkröten legen Jahr für Jahr zigtausende Kilometer zurück, um ihren Nachwuchs einen optimalen Start ins Leben zu ermöglichen. Da lesen wir, dass die Lederschildkröte drei unterschiedliche Reiserouten kennt, und die europäischen Aale im Laufe ihres Lebens rund 10.000 Kilometer zurücklegen. Dazu gibt es mehrere Karten, die die Wanderrouten beispielsweise der Wale, Pinguine und Karibus veranschaulichen. Da möchte man gleich mitreisen von Rock Springs in den Grand-Teton Nationalpark in Wyoming, von Südafrika in die Türkei oder über den Atlantik segeln.  

Petra Pluwatsch

Francesca Buoninconti: „Grenzenlos. Die erstaunlichen Wanderungen der Tiere“, dt. von Werner Menapace, Folio, 208 Seiten, 22 Euro. E-Book: 16,99 Euro. 

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