Die Gier, der Soldat und die Porzellanratte: „Die Witwe“ ist M. W. Cravens Lieblingsband aus seiner Washington-Poe-Krimireihe

Eine Ratte spielt eine gewisse Rolle in dem Craven-Krimi – allerdings ist sie darin aus Porzellan. Foto: Bücheratlas / M. Oe.

Diesen Roman hätte es beinahe nicht gegeben, gesteht der schottische Krimiautor M. W. Craven im Nachwort zu „Die Witwe“. Die Idee für den vierten Band seiner Washington-Poe-Reihe sei zwar schon seit Jahren in seinem Schädel herumgekollert. Doch dann sei immer wieder etwas dazwischengekommen: Der Auftakt der Serie, der ursprünglich für eine andere Buchreihe gedacht gewesen sei – eine Besprechung von „Der Zögling“ gibt es HIER. Dann zwei Folgebände mit komplett anderen Themen: „Der Gourmet“ (HIER) und „Der Kurator“ (HIER). „Aber der Plot von ‚Die Witwe‘ wollte nicht verschwinden.“ Schließlich habe er „ein paar schriftstellerische Turnübungen“ gemacht und mit dem Schreiben begonnen.

Gipfeltreffen in Tatort-Nähe

Jetzt liegt er also auch in deutscher Übersetzung vor: M. W. Cravens „Lieblingsband der Serie“ – mehr als 500 Seiten dick und prall gefüllt mit einer abenteuerlichen Geschichte um Gier, Verrat und eine perfide Rache. Ein ehemaliger britischer Elitesoldat, der im zweiten Irakkrieg schwer verwundet wurde, wird in einem schäbigen Bordell in Carlisle tot aufgefunden. Christopher Biermann wurde vor seinem Tod gefoltert und anschließend mit einem Baseballschläger erschlagen.

Diese brutale Tat alarmiert den MI5, den britischen Inlandsgeheimdienst, der für die Sicherheit eines spektakulären Gipfeltreffens in der Nähe des Tatorts verantwortlich ist. Biermann war Mitinhaber eines Flugunternehmens und sollte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Kongresses bei Bedarf transportieren.

Komplexität und Spannung

Auf Bitten des Geheimdienstes werden Detective Sergeant Washington Poe und die Fallanalytikerin Tilly Bradshaw mit der Aufklärung des undurchsichtigen Falls betraut. Als sie beginnen, sich für die Vergangenheit des Opfers zu interessieren, stoßen sie schon bald auf einige unangenehme Wahrheiten, die nicht jedem gefallen. Was hat der hochdekorierte Soldat Christopher Biermann wirklich im Irak gemacht? Und warum hat er nach seiner Rückkehr seinen Namen geändert? Und was hat es mit der Porzellanratte auf sich, die da und dort auftaucht?

Mit „Die Witwe“ – im Original: „Dead Ground“ – ist M. W. Craven ein komplexer und hochspannender Kriminalroman mit erschreckend aktuellen Zeitbezügen gelungen. Einziger Wermutstropfen ist der deutsche Titel. Er verrät mehr, als er sollte. Doch überzeugen Sie sich selbst!

Petra Pluwatsch

Auf diesem Blog

haben wir diese Bücher von M. W. Craven besprochen: „Der Zögling“ (HIER), „Der Gourmet“ (HIER) und zuletzt „Der Kurator“ (HIER).

M. W. Craven: „Die Witwe“, dt. von Marie-Luise Bezzenberger, Droemer, 510 Seiten, 16,99 Euro. E-Book: 9,99 Euro.

  

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