
Auch im Paradies gibt es faule Äpfel. Das muss der ehemalige deutsche Profisurfer Caruso schmerzlich erfahren. Seit Monaten hängt der Enddreißiger auf der philippinischen Insel Surogao ab und surft die Heaven’s Gate, die Welle aller Wellen. Wenn er mit 100 Sachen durch die gewaltige Röhre aus Licht und Wasser fegt, vergisst er alles. Die gescheiterte Beziehung auf Hawaii, vor der er nach Surogao geflohen ist. Den Mann, der durch seine Schuld zu Schaden gekommen ist. Seine desolate finanzielle Lage. Dann zählt nur noch eines: der Rausch, „ein konturloses Jetzt. Freiheit“.
Lukrativer Auftrag für den Inseldetektiv
Abends hockt Caruso in den Kaschemmen an der Tourism Road und vertrinkt die wenigen Pesos, die er als selbsternannter Inseldetektiv mit dem Aufspüren geklauter Surfbretter verdient hat. Ab und zu bekommt er einen Tipp von den örtlichen Polizisten, von denen er einen seinen Freund nennt. Als eine reiche spanische Touristin ihn anheuert, um ihren seit zwei Wochen verschwundenen Sohn Juan für sie aufzuspüren, scheint Carusos Pechsträhne endlich vorbei zu sein. Das Bündel Geldscheine, das Angel Guzman Gaviria ihm in die Hand drückt, beseitigt seine letzten Zweifel.
Doch der lukrative Auftrag birgt gefährliche Risiken. Die pazifische Sonneninsel entpuppt sich bei näherem Hinsehen als internationaler Drogenumschlagplatz, und der gesuchte junge Spanier scheint mittendrin in diesem schmutzigen Geschäft zu stecken. Schnell wird Caruso selbst ein Opfer korrupter Polizisten und skrupelloser Drogenhändler. Bald weiß er nicht mehr, wem er noch trauen kann. Dass Juans Vater Diego, ein Ex-Knacki aus Hamburg, in der Sache mitmischt, macht die Gemengelage nicht besser.
Vom Leben gezeichnet
„Heaven’s Gate“ ist der erste Kriminalroman des Kölner Journalisten Daniel Faßbender. Ein Hardboiled-Krimi vom Feinsten, dessen angeschlagener Protagonist Caruso an die vom Leben gezeichneten Helden eines Dashiell Hammett oder Raymond Chandler erinnert. Der Autor erzählt die Geschichte aus den Perspektiven von Caruso und von Diego. Erst gegen Ende laufen die beiden Erzählstränge zusammen und enden in einem wahren Feuerwerk. Ein tolles Debüt mit Potenzial für weitere spannende Geschichten.
Petra Pluwatsch
Premierenlesung
von „Heaven’s Gate“ am 9. April 2026 um 19.30 Uhr in Köln in der Buchhandlung manulit (Limburger Straße 37). Moderation: Sophia Bahl.
Daniel Faßbender: „Heaven’s Gate“, Diogenes, 304 Seiten, 19 Euro. E-Book: 9,99 Euro.
