
War es ein Unfall? Ein selbstverschuldetes Unglück? Viola Decker kann sich beim besten Willen nicht an den Einsturz des heimischen Weinkellers erinnern, der sie ihr linkes Bein gekostet hat. Nachbarn haben sie begraben unter Trümmern gefunden. Jetzt sind „von 100 Prozent Viola, grob geschätzt, noch 87 Prozent übrig“, und die Mittdreißigerin ist auf die Hilfe einer Pflegerin angewiesen. Otilia, eine Rumänin mit rustikalen Umgangsformen, unterbindet energisch Violas Bemühungen, so schnell wie möglich in ein selbstbestimmtes Leben zurückzufinden. So lässt sie beispielsweise ihre Krücken verschwinden und drängt sie, ihre Tage im Bett zu verbringen.
Auch Ehemann Adam Decker, ein bekannter Meinungsforscher und Medienstar, versucht mit allen Mitteln, Viola ans Haus zu fesseln. Systematisch isoliert er sie von ihren Freundinnen. Den Ärzten redet er ein, seine Frau sei aufgrund ihres Unfalls suizidgefährdet und nicht in der Lage, eigene Entscheidungen zu treffen. Er wolle doch nur ihr Bestes, argumentiert er, wenn Viola aufbegehrt.
Die Ich-Erzählerin hat ein Geheimnis
In ihrem raffinierten Thriller „Das Signal“ entwirft die österreichische Krimiautorin Ursula Poznanski ein wahrlich alptraumartiges Szenario. Doch die Ich-Erzählerin ist eine Kämpferin und lässt sich nicht so leicht unterkriegen. Erst recht nicht von einem Partner, für den sie nur noch eine „beschädigte Ware“ ist. Also trackt sie die Lieblingsschuhe ihres smarten Ehemannes und überwacht am Computer jeden seiner Schritte.
Damit beginnt ein hochspannendes Katz-und-Maus-Spiel, das mit mehreren Toten endet. Aber wir wollen hier nichts spoilern. Nur so viel: Auch Viola Decker hat ein Geheimnis, das sie unbedingt schützen will. Und dafür ist ihr jedes Mittel recht.
Petra Pluwatsch
Auf diesem Blog
haben wir Ursula Poznankis „Vanitas – Schwarz wie Erde“, den Auftakt einer Thriller-Reihe, HIER besprochen.
Ursula Poznanski: „Das Signal“, Knaur, 400 Seiten, 24 Euro. E-Book: 20 Euro.
